Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
Wenn Sie auf den Geschmack kommen, bestellen Sie gleich hier.

Winklers Traum vom Wasser Anthony Doerr

David Winkler ist ein stiller Junge und wächst in Alaska auf. Er interessiert sich früh für die Entstehung von Schnee und die faszinierende Form von Eiskristallen. Was ihn beunruhigt, ist, dass er manchmal Ereignisse vorhersehen kann. So träumt er von einem Autounfall, der dann auch vor seinen Augen passiert. Er träumt von einer Frau, die er tatsächlich trifft und heiraten wird. Als in einem Traum seine neugeborene Tochter in große Gefahr gerät, versucht er das Schicksal aufzuhalten und gerät dabei in Konflikt mit seiner Familie. Ob er die Dinge zum Guten wenden kann? C.H.Beck 2016

Nora Webster Colm Toibin

Nora ist Mitte vierzig, hat vier Kinder und ist vor kurzem Witwe geworden. Nach und nach arbeitet sie sich aus dem Zustand der Trauer heraus und zugleich aus der Enge der irischen Provinz in den 1960er Jahren, „wo jeder über sie Bescheid wusste und die Jahre, die noch vor ihr lagen bis ins kleinste Detail vorgezeichnet waren“. Mit stillem Eigensinn kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben und ergreift mit Entschiedenheit die Chancen, die ihr das Leben bietet. Es ist keine großartige Emanzipationsgeschichte; dennoch hat Colm Toibin mit seinem aufmerksamen Blick für die kleinen Dinge des Alltags ein faszinierendes Frauenporträt geschaffen, das man nicht so schnell vergisst. Hanser 2016

Der Junge bekommt das Gute zuletzt Dirk Stermann

Claude ist 13, wohnt in Wien und ist schon ganz allein. Seine Eltern interessieren sich nur für sich selbst und ihre Affären, ziehen schließlich beide aus der gemeinsamen Wohnung aus und lassen Claude allein zurück. Jetzt hat er nur noch den serbischen Taxifahrer Dirko, der ihn täglich zum Elite-Gymnasium fährt. Der kann die irrsten Geschichten erzählen und hat eine Hütte an der Donau, die für Claude zum Zufluchtsort wird. Bald teilt auch ein Mädchen seine Einsamkeit und sein Leben scheint sich zum Besseren zu wenden. Als sie schwanger wird, eröffnet sich die Aussicht auf eine neue Familie.
Aber wird das gut gehen? Der Humorist Dirk Stermann hat den „traurigsten Roman der Welt“ geschrieben, so steht es im Klappentext. Das wäre kaum auszuhalten, wenn er nicht mit großer Leichtigkeit und viel Sinn für Komik erzählt würde. Rowohlt 2016

Etwas bleibt immer Edgar Rai

Nino hat ein Geheimnis, das er sorgsam hütet: er besteht aus zwei Personen, hat eine dissoziative Persönlichkeitsstörung. Hin und wieder übernimmt sein zweites Ich namens Lola das Regiment und bringt sein Leben auf schockierende Weise durcheinander. Als Verwalter einer Luxusvilla an der Cote d’Azur kann er zurückgezogen und unauffällig leben, da die Villenbesitzer, der Großindustrielle Breuer mit seiner Frau, nur wenig Zeit dort verbringen. Eines Tages kommen sie zusammen mit einem Geschäftspartner, ein ausgesprochen widerwärtiger Typ. Ein Millionenauftrag soll verhandelt werden. Nino muss derweil für’s leibliche Wohl sorgen und ist häufig in ihrer Nähe. Als die Stimmung immer angespannter wird, tritt plötzlich Lola in Erscheinung, und es kommt zu einem spektakulären Showdown.
Die unwirkliche Welt der Superreichen trifft in diesem Roman auf die doppelte Wirklichkeit eines Gestörten. Das ist raffiniert ausgedacht und spannend erzählt. Berlin 2016

Die Ehefrau Meg Wolitzer

Joe und Joan sitzen im Flugzeug nach Helsinki, wo der berühmte Schriftsteller einen hochdotierten Literaturpreis entgegennehmen soll. Die Reise ist zugleich eine Reise ans Ende ihrer Ehe, denn Joan beschließt während des Fluges: „Es reicht“. Dieses Ende kommt allerdings überraschend anders als gedacht. Bis es so weit ist, lässt Joan mit scharfem Blick und bissigem Humor ihre 40-jährige Ehe Revue passieren. Männliche Egozentrik ist das Thema genauso wie die Bereitschaft der Frauen, jederzeit eigene Lebenspläne zurück zu stellen.
Meg Wolitzer erzählt amüsant, mit viel Ironie und ohne jede Wehleidigkeit, ein Lesevergnügen nicht nur für FeministInnen. DuMont 2016

Ein Monat auf dem Land I.L. Carr

Der junge Restaurator Tom soll die mittelalterliche Wandbemalung einer Kirche in Nordengland freilegen. Es ist der Sommer 1920; Tom leidet an den Folgen traumatischer Kriegserlebnisse als Soldat: er hat Gesichtszuckungen und stottert bisweilen. Außerdem hat ihn seine Frau verlassen. Während er geduldig Schicht für Schicht des Wandbildes freilegt, lernt er nach und nach die Bewohner des Dorfes näher kennen. Auch bei ihnen findet er verschiedene Schichten: nach außen das tatsächlich gelebte Leben, darunter das mögliche und ersehnte. Als Toms Auftrag beendet ist, hat er sich unmerklich verändert und ist fast geheilt.
I.L. Carr hat diese Geschichte bereits 1980 geschrieben und dafür den Booker-Preis bekommen. Er erzählt behutsam und warmherzig, aber ohne jede Gefühlsduselei. Ein kleines Meisterwerk und ein rundum schönes Buch. DuMont 2017

Die schwedischen Gummistiefel Henning Mankell

Das letzte Buch des im vergangenen Jahr verstorbenen Schriftstellers erzählt von Fredrik Welin, einem älteren Herrn, der allein auf einer abgelegenen Schäreninsel lebt. Sein ruhiges Leben ändert sich mit einem Schlag, als er durch einen Brand nahezu seinen gesamten Besitz verliert. Notdürftig campiert er nun in einem Wohnwagen und grübelt. Wer hat sein Haus angezündet? Lohnt es sich, noch einmal ein neues Leben aufzubauen? Zwei Frauen werden zu wichtigen Bezugspersonen bei dieser unfreiwilligen Neuorientierung: seine in Paris lebende Tochter, zu der er ein wechselhaftes Verhältnis hat und eine Journalistin, in die er sich ohne Hoffnung verliebt.
Henning Mankell hat ein bewegendes Buch über das Altern, die Einsamkeit und den näher rückenden Tod geschrieben. Dennoch klingt der letzte Satz tröstlich: „Bald würde der Herbst kommen. Aber die Dunkelheit schreckte mich nicht mehr“. Hanser 2016

I saw a Man Owen Sheers

Um über den Tod seiner Frau hinweg zu kommen, die als Journalistin bei einem Drohnenangriff ums Leben kam, versucht Michael, ein erfolgreicher Schriftsteller einen Neuanfang in London. Dort freundet er sich schnell mit einer Nachbarsfamilie an. Als Michael eines Tages ihr augenscheinlich leeres Haus durch die Hintertür betritt, passiert „der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte.“ Fortan bestimmen Misstrauen und Lügen das Miteinander bis zum überraschenden Schluss. Ein packender Roman über Verlust, Schuld und die Last von Geheimnissen. DVA 2016

Die folgenden Buchtipps gibt es bereits als Taschenbuch:

Winterbienen Norbert Scheuer

Es ist das letzte Kriegsjahr in dem kleine Ort Kall in der Eifel. Egidius Arimond, ein entlassener Gymnasiallehrer, verdient seinen Lebensunterhalt notdürftig als Bienenzüchter. Sein Leben ist mehrfach gefährdet: er ist Epileptiker, immer schwieriger wird es für ihn, an die lebenswichtigen Medikamente zu kommen, seine Anfälle werden häufiger und schwerer. Außerdem ist er den Frauen verfallen und fängt ausgerechnet eine Affäre mit der Frau des NS-Kreisleiters an. Und das allergefährlichste: er betätigt sich als Fluchthelfer, indem er in präparierten Bienenkörben Juden über die belgische Grenze bringt. Unterdessen werden die Bombardements der Amerikaner immer heftiger...Norbert Scheuer zeichnet in Form eines Tagebuchs ein ungeheuer eindrucksvolles Porträt eines stillen, einsamen und zugleich eigenwilligen Mannes, der ohne viel Aufhebens dem Zeitgeist widersteht. „Winterbienen“ wurde für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert. C.H.Beck 2019

Herkunft Sasa Stanisic

Sasa Stanisic versucht in seinem autobiografisch geprägten Roman seine Herkunft zu definieren. Anlass ist die zunehmende Demenz seiner Großmutter mit der er an die Orte ihrer gemeinsamen Vergangenheit, ins ehemalige Jugoslawien, reist. Er sammelt Erinnerungen, wobei seine Großmutter ihre verliert. Doch auf seine Frage, wo sie zu Hause sei, antwortet sie: „Es zählt nicht…woher man ist. Es zählt, wohin du gehst. ..Schau mich an: ich weiß weder, woher ich komme, noch wohin ich gehe. Und ich kann dir sagen: Manchmal ist das gar nicht so schlecht.“ (S.327). Stanisic schreibt über Ereignisse, die sein Leben geprägt haben, so dass sich die Herkunft nicht nur allein am Geburtsort festmachen lässt. Humorvoll, aber auch anrührend erzählt er von seiner Kindheit, seiner Jugend in Deutschland und dem Verhältnis zu seinen Verwandten. Dabei entsteht kein eng umrissenes Selbstportrait. Die Erlebnisse sind wie Puzzleteile, die sich auch anders hätten zusammensetzen können. Ein Buch das den Kopf frei macht vom Denken in engen regionalen Grenzen. Luchterhand 2019

Wo wir waren Norbert Zähringer

In der Nacht des 20.Juli 1969 verfolgt alle Welt gebannt am Fernseher, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betritt. In dieser Nacht gelingt dem fünfjährigen (vermeintlichen) Waisenjungen Hardy die Flucht aus dem Heim, in dem er seit seiner Geburt gelebt hat. In derselben Nacht flüchtet eine Frau auf ganz andere Weise: als Giftmörderin zu lebenslänglicher Haft verurteilt, macht sie einen Selbstmordversuch, wird aber gerettet und vorerst in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Es ist Hardys Mutter, die dort einem verständnisvollen Arzt von ihrem gescheiterten Leben erzählt. Hardys abenteuerliches Leben wiederum führt um die halbe Welt bis nach Amerika. Eine Erfolgsgeschichte?
„Wo wir waren“ erzählt spannend und zugleich nachdenklich davon, wie unsere Lebensgeschichten stets verknüpft sind mit der politischen Geschichte und dem Schicksal unserer Vorfahren. Und welche Rolle der Zufall oft spielt. Rowohlt 2019

Gun Love Jennifer Clement

Seit ihrer Geburt lebt die vierzehnjährige Pearl zusammen mit ihrer Mutter Margot in einem Auto am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Die Mutter arbeitet als Putzhilfe in einem Veteranenkrankenhaus.Trotz der prekären sozialen Umstände vermisst sie nichts: ihre Mutter umsorgt sie liebevoll und die Bewohner der Wohnwagen sind ihre Familie. Dass im gesamten Trailerpark Waffen allgegenwärtig sind und schon Kinder mit Pistolen spielen, gehört zu ihrem normalen Alltag. Dann taucht Eli auf, ein Mann, der sofort Gefahr und Unheil ausstrahlt und im Waffenschmuggel tätig ist. Als sich Margot Hals über Kopf in ihn verliebt, bahnt sich eine Katastrophe an und Pearls Weltordnung bricht zusammen.
Jennifer Clement gelingt eine herzzerreissende Mutter-Tochter-Geschichte in einer betörend schönen Sprache. Zugleich ist der Roman eine leidenschaftliche Kritik am heutigen waffen- starrenden Amerika. Suhrkamp 2019

Töchter Lucy Fricke

Martha und Betty, seit Jahrzehnten beste Freundinnen, sind mit dem Auto auf dem Weg in die Schweiz. Auf dem Rücksitz Marthas todkranker Vater, der dort Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Allerdings stellt sich heraus, dass er vorher noch ein anderes Ziel hat: seine frühere Geliebte am Lago Maggiore. Dort will er erst mal bleiben. Die Freundinnen aber reisen weiter Richtung Rom, denn auch Betty hat ein Vaterproblem: Er, inzwischen verstorben, war Italiener und hat die Familie verlassen, als Betty noch ein Kind war. Nun will sie sein Grab in der Nähe von Rom aufsuchen und sich nach der Verwandtschaft erkundigen. Aber dort erlebt sie eine große Über- raschung. Geistreich und voller Komik erzählt Lucy Fricke von einer verrückten Reise, von abwesenden Vätern und enttäuschenden Müttern, von Frauen um die vierzig, die sich fragen, ob die Ideale von Selbstverwirklichung und Glücklichsein wirklich so unverzichtbar sind – wenn man eine Freundin hat, mit der man so herrlich über das Unglück lachen kann. Dieser Roman wurde für den Bayerischen Buchpreis 2018 nominiert. Rowohlt 2018

Ida Katharina Adler

Ein ungewöhnlicher Einblick: Psychoanalyse bei Sigmund Freud, aus der Sicht einer berühmten Patientin. Es handelt sich um den „Fall Dora“ (vgl Freud, Bruchstücke einer Hysterie-Analyse), in Wirklichkeit Ida Bauer, ein 18-jähriges Mädchen, die Urgroßmutter der Autorin. Allerdings bricht sie die „Redekur“ eigenmächtig nach knapp drei Monaten ab - zu absonderlich kommen ihr die Ansichten des Doktors vor. Wie geht es nun weiter mit Ida? Katharina Adler erzählt von ihrer Ehe mit einem erfolglosen Komponisten, von ihrem Versuch, sich mit einem Bridgesalon selbständig zu machen, von ihrem Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen und gesehen zu werden – es ist das Portrait einer eigensinnigen und herben Frau, die in Beziehungen wenig Glück erfährt und um Selbstbe- stimmung ringt. Schließlich wirft der zunehmende Antisemitismus ihr Leben aus der Bahn. Sie verliert Besitz und gesellschaftlichen Status, und bald geht es ums nackte Überleben. „Ida“ ist nicht nur der packende Lebensroman einer widerspenstigen Frau, sondern beschreibt sehr eindrucksvoll das Schicksal einer wohlhabenden jüdischen Familie in der ersten Jahrhunderthälfte. Rowohlt 2018

Kleine Feuer überall Celeste Ng

Die Richardsons sind eine ordentliche Familie in einer ordentlichen amerikanischen Kleinstadt. Die Mutter ist Journalistin, der Vater Anwalt, vier Kinder im Jugendalter. Alles läuft scheinbar bestens. Sie vermieten ihre Zweitwohnung an Mia, eine allein erziehende chaotische Künstlerin, die sich und ihre Tochter Pearl mit einfachen Jobs mühsam über Wasser hält und es nirgendwo lange aushält. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit kommen sich die Familien, vor allem die Kinder, rasch näher. Doch was so positiv beginnt, enthält ungeahnte Sprengkraft: zunehmend stellen die Töchter das Leben ihrer Mütter in Frage. In beiden Familien werden Lebenslügen aufgedeckt und es kommt zur Katastrophe. Spannend und mit viel Einfühlungsvermögen für ihre Figuren erstellt Celeste Ng ein Psychogramm zweier sehr unterschiedlicher Familien. dtv 2018

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