Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
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Die folgenden Buchtipps gibt es bereits als Taschenbuch:

Die Bagage Monika Helfer

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren vier Kindern am Rand eines Bergdorfes in Vorarlberg. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Dass Maria fast überirdisch schön ist, verstärkt ihr Außenseiterdasein noch. Als der erste Weltkrieg beginnt, wird auch Josef zur Armee eingezogen. Die Familie wird zunächst vom Bürgermeister mit Lebensmitteln unterstützt, doch der verfolgt dabei eigene Interessen. Josef kommt zwei Mal für wenige Tage heim, dann gehen bis zum Ende des Krieges nur noch kurze Briefe hin und her. Maria bekommt in dieser Zeit ein weiteres Kind, Margarethe, es ist die Mutter der Erzählerin. Doch der Vater wird nach seiner Heimkehr dieses Kind niemals anschauen und nie ein Wort mit ihm sprechen. Er ist überzeugt, nicht der Vater zu sein.
Monika Helfer verschränkt in ihrem schmalen Roman äußerst kunstvoll die Geschichte Marias mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Aber auch das Erleben der Kinder und ihre weitere Entwicklung wird eindrucksvoll beschrieben: Wie wirken sich die Beschädigungen in der Kindheit über die Jahre und sogar über Generationen hinweg aus? Dass die Autorin zudem für ihren „Dorfroman“ einen ganz eigenen Sprachstil entwickelt hat, macht ihn zu großer Kunst. Hanser 2020

Der Sommer meiner Mutter Ulrich Woelk

Sommer 1969. Während auf den Straßen Kölns gegen den Vietnamkrieg demonstriert wird, fiebert der 11-jährige Tobias der ersten Mondlandung entgegen. Außerdem beobachtet er die zunehmende Entfremdung zwischen seinen Eltern. Als ins Nachbarhaus ein linkes und etwas flippiges Ehepaar mit ihrer 13-jährigen Tochter Rosa einzieht, kommt einiges in Bewegung. Die Mutter entwickelt unter dem Einfluss der Nachbarin plötzlich eigene berufliche Interessen, und Tobias lernt durch Rosa nicht nur die Popmusik kennen, sondern auch Berührungen und Gefühle, die fast so spannend sind wie die bevorstehende Mondlandung. Eines Tages macht Tobias eine folgenschwere Entdeckung, die diesem Sommer eine tragische Wendung gibt. Ulrich Woelk erzählt mit viel Feingefühl von einem Aufbruch, persönlich und politisch, der in einer familiären Katastrophe endet. „Der Sommer meiner Mutter“ wurde für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert. C.H.Beck 2019

Winterbienen Norbert Scheuer

Es ist das letzte Kriegsjahr in dem kleine Ort Kall in der Eifel. Egidius Arimond, ein entlassener Gymnasiallehrer, verdient seinen Lebensunterhalt notdürftig als Bienenzüchter. Sein Leben ist mehrfach gefährdet: er ist Epileptiker, immer schwieriger wird es für ihn, an die lebenswichtigen Medikamente zu kommen, seine Anfälle werden häufiger und schwerer. Außerdem ist er den Frauen verfallen und fängt ausgerechnet eine Affäre mit der Frau des NS-Kreisleiters an. Und das allergefährlichste: er betätigt sich als Fluchthelfer, indem er in präparierten Bienenkörben Juden über die belgische Grenze bringt. Unterdessen werden die Bombardements der Amerikaner immer heftiger...Norbert Scheuer zeichnet in Form eines Tagebuchs ein ungeheuer eindrucksvolles Porträt eines stillen, einsamen und zugleich eigenwilligen Mannes, der ohne viel Aufhebens dem Zeitgeist widersteht. „Winterbienen“ wurde für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert. C.H.Beck 2019

Herkunft Sasa Stanisic

Sasa Stanisic versucht in seinem autobiografisch geprägten Roman seine Herkunft zu definieren. Anlass ist die zunehmende Demenz seiner Großmutter mit der er an die Orte ihrer gemeinsamen Vergangenheit, ins ehemalige Jugoslawien, reist. Er sammelt Erinnerungen, wobei seine Großmutter ihre verliert. Doch auf seine Frage, wo sie zu Hause sei, antwortet sie: „Es zählt nicht…woher man ist. Es zählt, wohin du gehst. ..Schau mich an: ich weiß weder, woher ich komme, noch wohin ich gehe. Und ich kann dir sagen: Manchmal ist das gar nicht so schlecht.“ (S.327). Stanisic schreibt über Ereignisse, die sein Leben geprägt haben, so dass sich die Herkunft nicht nur allein am Geburtsort festmachen lässt. Humorvoll, aber auch anrührend erzählt er von seiner Kindheit, seiner Jugend in Deutschland und dem Verhältnis zu seinen Verwandten. Dabei entsteht kein eng umrissenes Selbstportrait. Die Erlebnisse sind wie Puzzleteile, die sich auch anders hätten zusammensetzen können. Ein Buch das den Kopf frei macht vom Denken in engen regionalen Grenzen. Luchterhand 2019

Wo wir waren Norbert Zähringer

In der Nacht des 20.Juli 1969 verfolgt alle Welt gebannt am Fernseher, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betritt. In dieser Nacht gelingt dem fünfjährigen (vermeintlichen) Waisenjungen Hardy die Flucht aus dem Heim, in dem er seit seiner Geburt gelebt hat. In derselben Nacht flüchtet eine Frau auf ganz andere Weise: als Giftmörderin zu lebenslänglicher Haft verurteilt, macht sie einen Selbstmordversuch, wird aber gerettet und vorerst in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Es ist Hardys Mutter, die dort einem verständnisvollen Arzt von ihrem gescheiterten Leben erzählt. Hardys abenteuerliches Leben wiederum führt um die halbe Welt bis nach Amerika. Eine Erfolgsgeschichte?
„Wo wir waren“ erzählt spannend und zugleich nachdenklich davon, wie unsere Lebensgeschichten stets verknüpft sind mit der politischen Geschichte und dem Schicksal unserer Vorfahren. Und welche Rolle der Zufall oft spielt. Rowohlt 2019

Gun Love Jennifer Clement

Seit ihrer Geburt lebt die vierzehnjährige Pearl zusammen mit ihrer Mutter Margot in einem Auto am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Die Mutter arbeitet als Putzhilfe in einem Veteranenkrankenhaus.Trotz der prekären sozialen Umstände vermisst sie nichts: ihre Mutter umsorgt sie liebevoll und die Bewohner der Wohnwagen sind ihre Familie. Dass im gesamten Trailerpark Waffen allgegenwärtig sind und schon Kinder mit Pistolen spielen, gehört zu ihrem normalen Alltag. Dann taucht Eli auf, ein Mann, der sofort Gefahr und Unheil ausstrahlt und im Waffenschmuggel tätig ist. Als sich Margot Hals über Kopf in ihn verliebt, bahnt sich eine Katastrophe an und Pearls Weltordnung bricht zusammen.
Jennifer Clement gelingt eine herzzerreissende Mutter-Tochter-Geschichte in einer betörend schönen Sprache. Zugleich ist der Roman eine leidenschaftliche Kritik am heutigen waffen- starrenden Amerika. Suhrkamp 2019

Töchter Lucy Fricke

Martha und Betty, seit Jahrzehnten beste Freundinnen, sind mit dem Auto auf dem Weg in die Schweiz. Auf dem Rücksitz Marthas todkranker Vater, der dort Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Allerdings stellt sich heraus, dass er vorher noch ein anderes Ziel hat: seine frühere Geliebte am Lago Maggiore. Dort will er erst mal bleiben. Die Freundinnen aber reisen weiter Richtung Rom, denn auch Betty hat ein Vaterproblem: Er, inzwischen verstorben, war Italiener und hat die Familie verlassen, als Betty noch ein Kind war. Nun will sie sein Grab in der Nähe von Rom aufsuchen und sich nach der Verwandtschaft erkundigen. Aber dort erlebt sie eine große Über- raschung. Geistreich und voller Komik erzählt Lucy Fricke von einer verrückten Reise, von abwesenden Vätern und enttäuschenden Müttern, von Frauen um die vierzig, die sich fragen, ob die Ideale von Selbstverwirklichung und Glücklichsein wirklich so unverzichtbar sind – wenn man eine Freundin hat, mit der man so herrlich über das Unglück lachen kann. Dieser Roman wurde für den Bayerischen Buchpreis 2018 nominiert. Rowohlt 2018

Ida Katharina Adler

Ein ungewöhnlicher Einblick: Psychoanalyse bei Sigmund Freud, aus der Sicht einer berühmten Patientin. Es handelt sich um den „Fall Dora“ (vgl Freud, Bruchstücke einer Hysterie-Analyse), in Wirklichkeit Ida Bauer, ein 18-jähriges Mädchen, die Urgroßmutter der Autorin. Allerdings bricht sie die „Redekur“ eigenmächtig nach knapp drei Monaten ab - zu absonderlich kommen ihr die Ansichten des Doktors vor. Wie geht es nun weiter mit Ida? Katharina Adler erzählt von ihrer Ehe mit einem erfolglosen Komponisten, von ihrem Versuch, sich mit einem Bridgesalon selbständig zu machen, von ihrem Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen und gesehen zu werden – es ist das Portrait einer eigensinnigen und herben Frau, die in Beziehungen wenig Glück erfährt und um Selbstbe- stimmung ringt. Schließlich wirft der zunehmende Antisemitismus ihr Leben aus der Bahn. Sie verliert Besitz und gesellschaftlichen Status, und bald geht es ums nackte Überleben. „Ida“ ist nicht nur der packende Lebensroman einer widerspenstigen Frau, sondern beschreibt sehr eindrucksvoll das Schicksal einer wohlhabenden jüdischen Familie in der ersten Jahrhunderthälfte. Rowohlt 2018

Kleine Feuer überall Celeste Ng

Die Richardsons sind eine ordentliche Familie in einer ordentlichen amerikanischen Kleinstadt. Die Mutter ist Journalistin, der Vater Anwalt, vier Kinder im Jugendalter. Alles läuft scheinbar bestens. Sie vermieten ihre Zweitwohnung an Mia, eine allein erziehende chaotische Künstlerin, die sich und ihre Tochter Pearl mit einfachen Jobs mühsam über Wasser hält und es nirgendwo lange aushält. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit kommen sich die Familien, vor allem die Kinder, rasch näher. Doch was so positiv beginnt, enthält ungeahnte Sprengkraft: zunehmend stellen die Töchter das Leben ihrer Mütter in Frage. In beiden Familien werden Lebenslügen aufgedeckt und es kommt zur Katastrophe. Spannend und mit viel Einfühlungsvermögen für ihre Figuren erstellt Celeste Ng ein Psychogramm zweier sehr unterschiedlicher Familien. dtv 2018

Asymmetrie Lisa Halliday

Mary-Alice, 27 Jahre alt und Assistentin in einer Literaturagentur, hat ein Verhältnis mit Esra, einem berühmten 70-jährigen New Yorker Schriftsteller. Er ist Philip Roth nachempfunden, mit dem Lisa Halliday vor vielen Jahren eine Affäre hatte. Es könnte ein reines Klischee sein: der alternde Schriftsteller mit seiner ihn bewundernden Muse. Aber so wird die Geschichte nicht erzählt, denn Mary-Alice bestimmt jederzeit selbst, welche Rolle sie übernehmen will. Außerdem hat sie selbst schriftstellerische Ambitionen; ihren eigenen Roman lesen wir im zweiten Teil des Buches. Aus der Ich-Perspektive wird die Geschichte von Amar, einem irakisch-amerikanischen Ökonomen erzählt, der auf einer Reise in den Irak im Londoner Flughafen festgehalten wird. Er gilt als „Gefährder“ und wird dort stundenlang verhört. In den Wartezeiten dazwischen rekapituliert er seine Familiengeschichte. Unglaublich, wie treffsicher Lisa Halliday in ihrem Debüt zwischen Erzählstilen und Erzählperspektiven wechseln kann um die „Asymmetrien“ zwischen Mann und Frau, Jung und Alt, weißem Amerikaner und muslimischem Migrant darzustellen. Hanser 2018

Tage mit Ora Michael Kumpfmüller

Der Ich-Erzähler, ein Soziologe, lernt die Kunstschneiderin Ora auf einer Hochzeitsparty kennen.
Sie fühlen sich zueinander hingezogen und beschließen, eine zweiwöchige Reise an der Westküste der USA zu unternehmen. Es soll offen bleiben, ob dabei eine Liebesbeziehung entsteht oder nicht. Denn jeder hat einiges an Seelengepäck mit dabei: beide haben eine Trennung hinter sich, beide nehmen dieselben Psychopharmaka um Ängste und Traurigkeit im Zaum zu halten. Kann das was werden? "Wir waren Zitterkinder. Wir nahmen Tabletten, und wir machten zusammen diese Reise, was ja hieß, dass alles Etappe war, ein lustvolles Stochern im Nebel und, wenn es gut ging, ein großer Spaß.“ Mit großer Leichtigkeit und zärtlichem Humor erzählt Michael Kumpfmüller von der Annäherung zweier komplizierter Menschen. Ist das eine Liebesgeschichte? Das entscheidet der Leser. Kiepenheuer & Witsch 2018

Ein Gentleman in Moskau Amor Towles

Graf Alexander Rostow ist 30 Jahre alt als er 1922 zu lebenslangem Hausarrest im Moskauer Luxushotel Metropol verurteilt wird. Bisher hat er dort eine Suite bewohnt, jetzt ist es eine Dienstbotenkammer. Als Gentleman alter Schule macht Alexander das Beste aus seiner Situation: mit vollendeten Manieren und liebenswürdigem Charme begegnet er jedem im Haus und nimmt schließlich die Stelle eines Kellners an. Sein Leben ändert sich dramatisch, als ihm eines Tages eine alte Freundin ihre kleine Tochter Nina anvertraut. Was als kurzfristige Notlösung gedacht war, wird zum Dauerzustand: das Mädchen wächst im Hotel auf und Alexander übernimmt die Verantwortung für sie. Welche Zukunft wird es für die beiden geben? Und wird Alexander das Hotel jemals wieder verlassen können?
Kaum vorstellbar, dass ein Roman, der ausschließlich im Mikrokosmos eines Hotels spielt, derart fesselnd ist, zudem humorvoll und mit viel Esprit erzählt. Zugleich ist es eine Zeitreise durch die Geschichte Moskaus, von der Zarenzeit bis zum Beginn des Kalten Krieges. Ein rundum gelungenes Buch. Ullstein 2018

Stellt euch vor, ich bin fort Adam Haslett

Die Ehe von John und Margaret steht von Anfang an unter einer schweren Belastung: John leidet phasenweise unter schweren Depressionen. Sie bekommen drei Kinder, jahrelang gelingt ihnen ein einigermaßen normales Familienleben. Doch eines Tages, die Kinder sind schon fast erwachsen, ist das „Ungeheuer“ wieder da. John verzweifelt und nimmt sich das Leben. Der Roman erzählt nun den weiteren Lebensweg von Margaret und ihren drei Kindern aus wechselnder Perspektive. Celia wird Sozialarbeiterin und scheut sich, selbst eine Familie zu gründen, Alec, der Journalist, braucht lange um einen Lebenspartner zu finden. Beide kümmern sich um Ihren älteren Bruder Michael, der offenbar die Veranlagung seines Vaters geerbt hat und unter schweren Angst- störungen leidet.
Ist die Familie eher Verhängnis oder ein Ort, der Hilfe und Halt verspricht? Darüber hat Haslett einen großen und erschütternden Familienroman geschrieben, der für mehrere Preise nominiert wurde. Rowohlt 2018

Heimkehren Yaa Gyasi

Die Schwestern Effia und Esi werden in Ghana im 18. Jahrhundert geboren. Die eine wird als Sklavin nach Amerika verkauft, die andere heiratet einen britischen Offizier, der die Verschiffung der Sklaven organisiert. Der Roman erzählt die Geschichte der Kinder und Kindeskinder dieser beiden Frauen. Jeweils kapitelweise wechselnd zwischen Amerika und Ghana wird bildmächtig und mit großer erzählerischer Kraft das facettenreiche System der Sklaverei beschrieben, an dem auch afrikanische Stammeshäuptlinge beteiligt waren, ein Aspekt, der wenig bekannt ist. Die vorerst letzten Nachkömmlinge der beiden Familien, Marjorie und Marcus leben im heutigen Amerika und lernen sich zufällig kennen. So schließt sich der Kreis.
Yaa Gyasi, die schon als Kind aus Ghana in die USA gekommen ist, hat sieben Jahre intensiv für diesen Roman recherchiert – unbedingt lesenswert! DuMont 2018

Acht Berge Paolo Cognetti

Mit elf Jahren kommt Pietro zum ersten Mal für die Ferien in das fast verlassene Bergdorf Grana im Aostatal. Rasch freundet er sich mit Bruno an, dem einzigen Kind im Dorf. Sommer für Sommer treffen sie sich wieder, streifen durch die Gegend und besteigen Berge. Später trennen sich ihre Wege: Bruno baut die Käserei seines Onkels wieder auf und gründet eine Familie, während Pietro als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus zieht und ungebunden bleibt. Fast verlieren sie sich aus den Augen, da erbt Pietro von seinem verstorbenen Vater ein Grundstück bei Grana. Er kehrt für einen Sommer in die Berge zurück und baut mit Bruno die verfallene Almhütte auf dem Grundstück wieder auf. Ohne viel Worte wird die alte Freundschaft bekräftigt; beide ringen mit der Frage, ob der eingeschlagene Lebensweg der Richtige ist. „Acht Berge“ ist ein eindringliches und existentielles Buch über eine Männerfreundschaft und über die stille Kraft der Natur und der Berge. Penguin 2018

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