Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
Wenn Sie auf den Geschmack kommen, bestellen Sie gleich hier.

Die folgenden Buchtipps gibt es bereits als Taschenbuch:

Stellt euch vor, ich bin fort Adam Haslett

Die Ehe von John und Margaret steht von Anfang an unter einer schweren Belastung: John leidet phasenweise unter schweren Depressionen. Sie bekommen drei Kinder, jahrelang gelingt ihnen ein einigermaßen normales Familienleben. Doch eines Tages, die Kinder sind schon fast erwachsen, ist das „Ungeheuer“ wieder da. John verzweifelt und nimmt sich das Leben. Der Roman erzählt nun den weiteren Lebensweg von Margaret und ihren drei Kindern aus wechselnder Perspektive. Celia wird Sozialarbeiterin und scheut sich, selbst eine Familie zu gründen, Alec, der Journalist, braucht lange um einen Lebenspartner zu finden. Beide kümmern sich um Ihren älteren Bruder Michael, der offenbar die Veranlagung seines Vaters geerbt hat und unter schweren Angst- störungen leidet.
Ist die Familie eher Verhängnis oder ein Ort, der Hilfe und Halt verspricht? Darüber hat Haslett einen großen und erschütternden Familienroman geschrieben, der für mehrere Preise nominiert wurde. Rowohlt 2018

Heimkehren Yaa Gyasi

Die Schwestern Effia und Esi werden in Ghana im 18. Jahrhundert geboren. Die eine wird als Sklavin nach Amerika verkauft, die andere heiratet einen britischen Offizier, der die Verschiffung der Sklaven organisiert. Der Roman erzählt die Geschichte der Kinder und Kindeskinder dieser beiden Frauen. Jeweils kapitelweise wechselnd zwischen Amerika und Ghana wird bildmächtig und mit großer erzählerischer Kraft das facettenreiche System der Sklaverei beschrieben, an dem auch afrikanische Stammeshäuptlinge beteiligt waren, ein Aspekt, der wenig bekannt ist. Die vorerst letzten Nachkömmlinge der beiden Familien, Marjorie und Marcus leben im heutigen Amerika und lernen sich zufällig kennen. So schließt sich der Kreis.
Yaa Gyasi, die schon als Kind aus Ghana in die USA gekommen ist, hat sieben Jahre intensiv für diesen Roman recherchiert – unbedingt lesenswert! DuMont 2018

Der Zopf meiner Großmutter Alina Bronsky

Diese Großmutter hat es in sich! In Russland soll sie eine gefeierte Tänzerin gewesen sein, jetzt lebt sie mit ihrem Mann und dem Enkel Max in einem Flüchtlingsheim in Deutschland. Dort hat sie Mann und Enkel fest im Griff. Vor allem will sie Max vor den schädlichen Einflüssen der neuen Heimat beschützen: vor ungesunden Nahrungsmitteln, vor dem deutschen Schulsystem, vor gefährlichen Betätigungen und dem eigenen Vater. Nur den Klavierunterricht erlaubt sie, doch die Klavierlehrerin ist nicht so harmlos wie es scheint. Fast könnte die Matriarchin ins Wanken geraten... Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Max erzählt, der sich erstaunlich robust durch den Irrsinn der Erwachsenen hindurchlaviert.
Alina Bronsky, selbst in den Neunzigerjahren aus Russland eingewandert, erzählt furios und mit bösem Witz von eigenwilligen und zugleich liebenswerten Charakteren, deren Leben nicht ohne Tragik ist. Kiepenheuer und Witsch 2019

Die kommenden Jahre Norbert Gstrein

Richard, ein Glaziologe, erforscht das Schwinden der Gletscher und ist beruflich viel unterwegs, seine Frau Natascha ist Schriftstellerin und mehr an menschlichen Angelegenheiten interessiert. Die beiden haben sich über die Jahre auseinandergelebt und nur noch wenig gemeinsam. Das wird deutlich, als Natascha trotz Richards Bedenken ihr abgelegenes Ferienhaus nahe Hamburg einer syrischen Flüchtlingsfamilie überlässt und dies auch öffentlichkeitswirksam in einem Video festhalten lässt. Es kommt zu fremdenfeindlichen und bedrohlichen Aktionen gegenüber den Syrern, was bei Natascha zu einem übertriebenen und schließlich verhängnisvollen Schutzverhalten führt, während Richard zunehmend Mißtrauen gegenüber dem syrischen Familienvater entwickelt. Ist er überhaupt, was er zu sein vorgibt? Norbert Gstrein, der in seinen Romanen häufig aktuelle Themen bearbeitet, fragt skeptisch nach den inneren Beweggründen unseres Verhaltens. Humanitärer Eifer oder Nichtstun – was treibt uns an? Ein sehr lesenswerter Beitrag in einer oft überhitzten Debatte. Hanser 2018

Und jeden Morgen das Meer Karl-Heinz Ott

Sonja, 62 Jahre alt und seit 30 Jahren zusammen mit ihrem Mann Bruno Chefin des „Lindenhof“, einem der Wie ist es, auf einen Schlag alles zu verlieren? Ehepartner, Arbeit und Zuhause? Genau das passiert angesagtesten Hotels am Bodensee. Nach dem Tod ihres Mannes stellt sich heraus, dass das Haus hoffnungslos verschuldet ist. Ihr Schwager erklärt sich bereit, es zu übernehmen unter der Bedingung, dass Sonja geht und auf alle Ansprüche verzichtet. Weit weg versucht sie einen Neuanfang; an der Küste von Wales übernimmt sie eine heruntergekommene Pension mit Bar, die nur selten Gäste hat. Auf ihren täglichen Spaziergängen an den Klippen entlang versucht sie innerlich zu ordnen, was ihr widerfahren ist. Ist es die absolute Katastrophe oder vielleicht auch eine neue Freiheit? Hat sie Erfolg mit Glück verwechselt? Und ist angesichts der Wucht des uralten Meeres ihr kleines Schicksal nicht bedeutungslos? Selten ist über das Unglück so nachdenklich und poetisch geschrieben worden. Hanser 2018

Der große Wahn Sebastian Faulks

Der Londoner Psychiater Robert Hendricks erhält eines Tages eine rätselhafte Einladung des 90-jährigen Neurologen Pereira, der auf einer kleinen Insel vor der französischen Küste lebt. Wie sich herausstellt, hat dieser Hendricks Vater gekannt, der im 1. Weltkrieg auf unklare Weise umgekommen ist. So wird die Reise zu einer Reise in die Vergangenheit, und Hendrick, der bisher sein Leben eher emotionsarm gelebt hat, wird mit intensiven Erinnerungen konfrontiert: an die vaterlose Kindheit, an seine eigenen Erlebnisse im Krieg und an die Italienierin „L“, seine große Liebe, die ihn damals so plötzlich verlassen hatte. Er erkundigt sich nach ihrem Aufenthaltsort und plant ein Wiedersehen. Wie wird das werden?
„Der große Wahn“ ist die meisterhaft erzählte Lebensgeschichte eines einsamen Mannes, verwoben mit einer eindringlichen Schilderung des Kriegsgeschehens im 20. Jahrhundert. Mare 2017

Ein feines Gespür für Schönheit J. David Simons

Edward, ein berühmter englischer Schriftsteller kehrt als alter Mann in jenes herrlich gelegene japanische Hotel zurück, in dem er 1950 seinen ersten Bestseller schrieb. Es war ein amerika- kritischer Roman über den Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, der für Furore sorgte. Im Hotel hatte er eine Liebesbeziehung zu dem Zimmermädchen Sumiko, die mit seiner Rückkehr nach England ihr Ende fand. In England nahm er dann das konfliktbeladene Verhältnis zu seiner früheren Freundin Macy, einer begabten Künstlerin, wieder auf.
Jetzt im Jahr 2003 macht er die Erfahrung: nichts von all dem ist wirklich vergangen. Er trifft Sumiko wieder und bekommt auch nochmals mit Macy zu tun, von der er längst getrennt ist. Vor allem aber wird er mit seinem eigenen Versagen konfrontiert.
Ein spannend und poetisch geschriebener Roman, dem man die Liebe des Autors zur japanischen Kultur abspürt. Goldmann 2019

Acht Berge Paolo Cognetti

Mit elf Jahren kommt Pietro zum ersten Mal für die Ferien in das fast verlassene Bergdorf Grana im Aostatal. Rasch freundet er sich mit Bruno an, dem einzigen Kind im Dorf. Sommer für Sommer treffen sie sich wieder, streifen durch die Gegend und besteigen Berge. Später trennen sich ihre Wege: Bruno baut die Käserei seines Onkels wieder auf und gründet eine Familie, während Pietro als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus zieht und ungebunden bleibt. Fast verlieren sie sich aus den Augen, da erbt Pietro von seinem verstorbenen Vater ein Grundstück bei Grana. Er kehrt für einen Sommer in die Berge zurück und baut mit Bruno die verfallene Almhütte auf dem Grundstück wieder auf. Ohne viel Worte wird die alte Freundschaft bekräftigt; beide ringen mit der Frage, ob der eingeschlagene Lebensweg der Richtige ist. „Acht Berge“ ist ein eindringliches und existentielles Buch über eine Männerfreundschaft und über die stille Kraft der Natur und der Berge. Penguin 2018

Das Ministerium des äußersten Glücks Arundhati Roy

Zwanzig Jahre nach „Der Gott der kleinen Dinge“ hat Arundhati Roy ihren zweiten Roman vorgelegt. Ihr intensives politisches Engagement der letzten Jahre ist in dieses Buch eingeflossen, aber auch ihre literarische Kraft. Es ist eine mutige, schonungslose Bestandsaufnahme des modernen Indien, eine Geschichte, “von unten“ erzählt. Gegen politische Unterdrückung und Gewalt, gegen die korrupten Machtinteressen von Industrie und Politik und einzelner Kasten, gegen all die religiösen Kämpfe steht die Solidarität einer kleinen ausgegrenzten Gemeinschaft, die auf einem Friedhof in Delhi haust. Arundhati Roy schont den Leser nicht, ihr literarischer Stil rüttelt auf und bewahrt zugleich vor Hoffnungslosigkeit. Fischer 2018

Max Markus Orths

Markus Orths erzählt die Lebensgeschichte des Künstlers Max Ernst. Ein Leben geprägt vom unaufhaltsamen Drang Kunst zu machen. Wie war das trotz der schwierigen politischen Umstände zwischen den zwei Weltkriegen und im Exil möglich und welchen Einfluss hatten berühmte Freunde wie Pablo Picasso, André Breton, Peggy Guggenheim und andere auf den Künstler? Der Leser taucht wie in einem Film ein in das künstlerische Lebensgefühl dieser Zeit, geprägt von Leidenschaft, Liebe, Trennung und künstlerischer Schaffenskraft. Die vier wichtigsten Frauen im Leben von Max Ernst nehmen einen breiten Raum im Roman ein, denn sie ermöglichten ihm erst durch ihre emotionale oder auch finanzielle Unterstützung, für seine Kunst leben zu können. Hanser 2017

Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky

Immer, wenn der alten Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Selma ist die Großmutter der Ich-Erzählerin Luise und bei ihr verbringt sie die meiste Zeit, denn ihre Eltern sind hauptsächlich mit ihrer unglücklichen Ehe beschäftigt.Sie ist eine Art Dorfälteste und Anlaufstelle für alle, die einen guten Rat brauchen: Luises Freund Martin, der einen gewalttätigen Vater hat, die abergläubische Heilerin Elsbeth, die depressive Marlies und der Optiker, der schon seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist. Guter Rat ist auch nötig, als Luise unversehens von der Liebe getroffen wird. Ausgerechnet ein buddhistischer Mönch muss es sein. Der lebt in Japan und fühlt sich an sein Gelübde gebunden, doch ein anderer kommt nicht in Frage. Was tun?
Mariana Leky beschreibt ihre schrulligen Figuren liebevoll, mit hinreißendem Humor und tiefer Menschlichkeit - eine herrliche Lektüre! DuMont 2017

Und Marx stand still in Darwins Garten Ilona Jerger

England 1881. Zwei Berühmtheiten leben nur wenige Kilometer auseinander und sind sich doch nie begegnet: Karl Marx arbeitet in London in ärmlichsten Verhältnissen am ersten Band des „Kapital“, Charles Darwin lebt in einem Pfarrhaus in Kent und forscht am Regenwurm. Beide haben mit ihren Büchern, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Jetzt sind sie alt; sie leiden an Schlaflosigkeit, Melancholie und diversen anderen Beschwerden. Ilona Jerger bringt die beiden durch einen (erfundenen) Hausarzt miteinander in Kontakt; schließlich kommt es sogar zu einem gemeinsamen Dinner mit hitzigen Diskussionen.
Es ist ein wunderbarer Roman, der Fabulierlust mit naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet, ein humorvolles Porträt zweier bedeutender Männer, deren Disput nach wie vor aktuell ist. Ullstein 2018

Und es schmilzt Lize Spit

Achtung! Dieses Buch könnte Ihnen den Schlaf rauben! Dreizehn Jahre nach dem Sommer, den sie am liebsten vergessen würde, kehrt Eva zurück in das Dorf, in dem sie zusammen mit ihrem Bruder und der kleinen Schwester aufgewachsen ist. Sie folgt einer Einladung von Pim, der damals zu ihren Freunden gehörte. Ihre gesamte Freizeit hat sie mit ihm und Laurens verbracht bis in jenem Sommer ein böses Spiel furchtbar eskalierte und die Kindheit aller Beteiligten beendete. In langen Rückblenden erfährt man die Familiengeschichte Evas, lernt das Dorf und seine Bewohner kennen, in dem das Leben nicht gerade idyllisch ist und treibt beim Lesen unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Lize Spits Roman ist großartig erzählt, erschütternd und fast unerträglich spannend. Fischer 2018

Ein Festtag Graham Swift

Jane Fairchild ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und dann Dienstmädchen bei einem reichen Ehepaar geworden. Schon mit fünfzehn hat sie ein heimliches Verhältnis mit Paul Sheringham, dem jungen Erben der ebenfalls wohlhabenden Nachbarn begonnen. Jetzt, sieben Jahre später, wird er, von den Eltern gedrängt, demnächst standesgemäß heiraten. Doch er mag sich nicht von Jane trennen. An einem Sonntag, als das Haus leer ist, läd er sie zum ersten Mal zu sich nach Hause ein, zum ersten und letzten Mal teilt sie sein Bett: es wird ihr ganz persönlicher Festtag. Später verabschiedet er sich um seine Braut zu treffen – aber dort kommt er nie an….
Das schmale Buch, das eher eine Novelle als ein Roman ist, beschreibt meisterhaft und voller Sinnlichkeit einen einzigen Tag im März 1924 und umfasst zugleich ein ganzes Leben. dtv 2018

Ellbogen Fatma Aydemir

Die siebzehnjährige Türkin Hazal lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Wohnung im Berliner Wedding. Der Vater ist Taxifahrer und schlägt auch gerne mal zu, die Mutter sitzt untätig zu Hause und guckt türkische Fernsehserien, der Bruder entwickelt sich zum Kleinkriminellen, während für Hazal alles verboten ist, was Spaß macht. Sie jobbt in der Bäckerei ihres Onkels, alle anderen Bewerbungen waren bisher erfolglos. Als „Opfer“ fühlt sie sich trotzdem nicht; sie hat vielmehr eine Riesenwut im Bauch, „eine Wut auf die Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch.“ Das macht sie stark – und gefährlich. An ihrem 18. Geburtstag gerät sie in eine verhängnisvolle Situation, wird gewalttätig und schließlich zur Mörderin. Keinesfalls hat sie vor, sich der Polizei zu stellen. Sie flüchtet nach Istanbul zu einem Bekannten, den sie nur vom Skypen kennt und muss feststellen, dass sie sich in der Türkei noch überflüssiger fühlt als in Deutschland. Wie wird es mit ihr weitergehen? Kann es einen Neuanfang geben ohne dass sie sich ihrer Verantwortung stellt und Empathie lernt? Fatma Aydemir hat ihr Buch im Ich-Stil geschrieben, was einen direkten Einblick in die ver- störende Empfindungswelt dieser jungen Frau ermöglicht. Es bietet keine Lösungen an, öffnet aber die Augen für Menschen in Milieus, über die wir viel zu wenig wissen und erst recht nicht kennen. dtv 2018

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