Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
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Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky

Immer, wenn der alten Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Selma ist die Großmutter der Ich-Erzählerin Luise und bei ihr verbringt sie die meiste Zeit, denn ihre Eltern sind hauptsächlich mit ihrer unglücklichen Ehe beschäftigt.Sie ist eine Art Dorfälteste und Anlaufstelle für alle, die einen guten Rat brauchen: Luises Freund Martin, der einen gewalttätigen Vater hat, die abergläubische Heilerin Elsbeth, die depressive Marlies und der Optiker, der schon seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist. Guter Rat ist auch nötig, als Luise unversehens von der Liebe getroffen wird. Ausgerechnet ein buddhistischer Mönch muss es sein. Der lebt in Japan und fühlt sich an sein Gelübde gebunden, doch ein anderer kommt nicht in Frage. Was tun?
Mariana Leky beschreibt ihre schrulligen Figuren liebevoll, mit hinreißendem Humor und tiefer Menschlichkeit - eine herrliche Lektüre! DuMont 2017

Und Marx stand still in Darwins Garten Ilona Jerger

England 1881. Zwei Berühmtheiten leben nur wenige Kilometer auseinander und sind sich doch nie begegnet: Karl Marx arbeitet in London in ärmlichsten Verhältnissen am ersten Band des „Kapital“, Charles Darwin lebt in einem Pfarrhaus in Kent und forscht am Regenwurm. Beide haben mit ihren Büchern, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Jetzt sind sie alt; sie leiden an Schlaflosigkeit, Melancholie und diversen anderen Beschwerden. Ilona Jerger bringt die beiden durch einen (erfundenen) Hausarzt miteinander in Kontakt; schließlich kommt es sogar zu einem gemeinsamen Dinner mit hitzigen Diskussionen.
Es ist ein wunderbarer Roman, der Fabulierlust mit naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet, ein humorvolles Porträt zweier bedeutender Männer, deren Disput nach wie vor aktuell ist. Ullstein 2017

Und es schmilzt Lize Spit

Achtung! Dieses Buch könnte Ihnen den Schlaf rauben! Dreizehn Jahre nach dem Sommer, den sie am liebsten vergessen würde, kehrt Eva zurück in das Dorf, in dem sie zusammen mit ihrem Bruder und der kleinen Schwester aufgewachsen ist. Sie folgt einer Einladung von Pim, der damals zu ihren Freunden gehörte. Ihre gesamte Freizeit hat sie mit ihm und Laurens verbracht bis in jenem Sommer ein böses Spiel furchtbar eskalierte und die Kindheit aller Beteiligten beendete. In langen Rückblenden erfährt man die Familiengeschichte Evas, lernt das Dorf und seine Bewohner kennen, in dem das Leben nicht gerade idyllisch ist und treibt beim Lesen unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Lize Spits Roman ist großartig erzählt, erschütternd und fast unerträglich spannend. Fischer 2017

Ein Festtag Graham Swift

Jane Fairchild ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und dann Dienstmädchen bei einem reichen Ehepaar geworden. Schon mit fünfzehn hat sie ein heimliches Verhältnis mit Paul Sheringham, dem jungen Erben der ebenfalls wohlhabenden Nachbarn begonnen. Jetzt, sieben Jahre später, wird er, von den Eltern gedrängt, demnächst standesgemäß heiraten. Doch er mag sich nicht von Jane trennen. An einem Sonntag, als das Haus leer ist, läd er sie zum ersten Mal zu sich nach Hause ein, zum ersten und letzten Mal teilt sie sein Bett: es wird ihr ganz persönlicher Festtag. Später verabschiedet er sich um seine Braut zu treffen – aber dort kommt er nie an….
Das schmale Buch, das eher eine Novelle als ein Roman ist, beschreibt meisterhaft und voller Sinnlichkeit einen einzigen Tag im März 1924 und umfasst zugleich ein ganzes Leben. dtv 2017

Ellbogen Fatma Aydemir

Die siebzehnjährige Türkin Hazal lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Wohnung im Berliner Wedding. Der Vater ist Taxifahrer und schlägt auch gerne mal zu, die Mutter sitzt untätig zu Hause und guckt türkische Fernsehserien, der Bruder entwickelt sich zum Kleinkriminellen, während für Hazal alles verboten ist, was Spaß macht. Sie jobbt in der Bäckerei ihres Onkels, alle anderen Bewerbungen waren bisher erfolglos. Als „Opfer“ fühlt sie sich trotzdem nicht; sie hat vielmehr eine Riesenwut im Bauch, „eine Wut auf die Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch.“ Das macht sie stark – und gefährlich. An ihrem 18. Geburtstag gerät sie in eine verhängnisvolle Situation, wird gewalttätig und schließlich zur Mörderin. Keinesfalls hat sie vor, sich der Polizei zu stellen. Sie flüchtet nach Istanbul zu einem Bekannten, den sie nur vom Skypen kennt und muss feststellen, dass sie sich in der Türkei noch überflüssiger fühlt als in Deutschland. Wie wird es mit ihr weitergehen? Kann es einen Neuanfang geben ohne dass sie sich ihrer Verantwortung stellt und Empathie lernt? Fatma Aydemir hat ihr Buch im Ich-Stil geschrieben, was einen direkten Einblick in die ver- störende Empfindungswelt dieser jungen Frau ermöglicht. Es bietet keine Lösungen an, öffnet aber die Augen für Menschen in Milieus, über die wir viel zu wenig wissen und erst recht nicht kennen. Hanser 2017

Betrunkene Bäume Ada Dorian

Betrunkene Bäume gibt es wirklich. Ein Begriff aus der Biologie, der Bäume bezeichnet, die im auftauenden Permafrostboden ihre Standfestigkeit verlieren. Auch Erich und Katharina haben keinen Halt mehr. Erich ist über achtzig und merkt, dass ihm seine Altersbeschwerden immer mehr die Kontrolle über seinen Alltag entziehen. Erich trauert seiner Zeit als Naturforscher in Sibirien und der verlorenen Liebe seines Lebens nach. In der Wohnung nebenan wohnt Katharina. Sie ist von zu Hause abgehauen und hat im Wohnzimmer ein Zelt aufgeschlagen, nachdem ihr Vater nach Sibirien auf Montage gefahren ist und sich ihre Mutter nicht um sie kümmert. Erich und Katharina nähern sich langsam einander an und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. In der poetischen Schreibweise der Autorin wundert es den Leser nicht, dass Bäume sogar in Schlafzimmern wachsen können. Ullstein 2017

Gott, hilf dem Kind Toni Morrison

Lula Ann kommt mit einer tiefschwarzen Hautfarbe auf die Welt, wie keiner aus ihrer Familie. Ihre eigene Mutter ist entsetzt und ihr Vater verlässt sofort die Familie, da er glaubt, dass das Kind nicht von ihm sein kann. Ihr ganzes Leben von der Mutter abgelehnt, erzieht diese ihre Tochter zu größtmöglicher Unauffälligkeit. Sie hat Angst vor rassistischen Übergriffen und schärft ihr ein, niemals aufzufallen. Doch Lula Ann macht sich davon frei, ändert als Erwachsene ihren Namen in "Bride" und trägt provokant nur noch strahlend weiße Kleidung, die ihre Hautfarbe erst recht betont. Sie gründet eine erfolgreiche Kosmetikfirma, kann sich aber nur schwer von ihrer Vergangenheit befreien. Die Geschichte einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, die deutlich macht, dass es kaum möglich ist, seine prägende Kindheitserfahrungen hinter sich zu lassen und wie die Angst vor Diskriminierung sich durch verinnerlichten Selbsthass gegen die eigene Person richten kann. Rowohlt 2017

Der Club Takis Würger

Hans Stichler bekommt von seiner Tante, einer Kunsthistorikerin, ein Stipendium für ein Studium in Cambridge, gekoppelt an einen Auftrag: er soll Mitglied des elitären, männerbündlerischen Pitt-Clubs werden um dort ein Verbrechen aufzuklären, über das die Tante allerdings keine näheren Angaben macht. Er schafft es, Schritt für Schritt, in den innersten Zirkel des Clubs mit seinen geheimen Riten vorzudringen und ahnt bald, dass das ominöse Verbrechen mit Sex und Macht zu tun hat. Behilflich ist ihm Charlotte, eine Doktorandin, in die er sich verliebt hat, aber auch sie scheint ein Geheimnis zu haben. Welche Verbindung hat sie selbst zum Club? Und welche Rolle spielt ihr Vater, ein reicher Banker, der Teil eines Netzwerkes ehemaliger Club-Mitglieder ist? Krimi und Liebesroman in einem – dieses geschmeidig erzählte schlanke Buch hat Sogwirkung und bleibt spannend bis zum Schluss. Es stellt die Frage nach der Bedeutung sozialer Teilhabe; wozu sind Menschen bereit, nur um dazu zugehören? Kein & Aber 2017

Ein Mann, der fällt Ulrike Edschmid

Das gemeinsame Leben eines älteren Paars beginnt 1986 mit einer Katastrophe: Beim Renovieren der zukünftigen Wohnung in einem Berliner Mietshaus, stürzt der Mann von der Leiter und ist fortan schwerbehindert. Er verschmäht den Rollstuhl und schleppt sich mühsam mit zwei Krücken vorwärts. Der autobiografische Roman erzählt aus der Perspektive der Frau, wie das Paarsein von den beiden neu gelernt werden muss, wie sie vorsichtig ausloten, was gemeinsam geht und was nicht. „Nie mehr, sagt er, wird er an einem warmen Sommerabend unter einem Himmel wie diesem mit mir gehen können, gehen und immer weiter gehen. Wir sind voneinander abgerückt. Ich lebe in der Welt der Gehenden, unendlich weit entfernt.“ Doch während sie nun mit eingeschränktem Bewegungsradius leben, machen sie zugleich die überraschende Erfahrung, das die Welt zunehmend zu ihnen kommt: Im Hinterhof campiert für einige Zeit eine Roma-Familie, eine Wohnung wird von iranischen Widerstandskämpferinnen für ihre Agitationsarbeit benutzt, im vierten Stock trifft sich eine koreanische Glaubensgemeinde, im Viertel ist die Russenmaffia zu Gange. Präzise und einfühlsam beschreibt Ulrike Edschmid die Veränderungen in Mietshaus und Kiez im Zeichen der Globalisierung und zugleich das beharrliche Zusammenstehen eines Paares unter schwierigen Bedingungen. Diesem Buch wünscht man die Nominierung zum Deutschen Buchpreis. Suhrkamp 2017

Ein wenig Leben Hanya Yanagihara

Die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern, die einen trotz der fast tausend Seiten nicht losläßt und auch nach der Lektüre noch lange beschäftigt. Jude, JB, Willem und Malcom lernen sich auf dem College kennen und kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen. Diese haben ihr Leben bestimmt, wobei die Kindheit von Jude geprägt war von Gewalt und Einsamkeit. Seiner Geschichte wird im Roman der größte Raum gegeben und sie ist an Grausamkeit kaum mehr zu übertreffen. Der Leser, der von einem tragischen Ereignis zum nächsten geschleudert wird, kann sich der Dramatik nicht entziehen. Aus wechselnder Sicht der vier Personen beschrieben, kommt man sich nicht als außenstehender Betrachter vor, sondern fühlt mit den Protagonisten. Dabei sind die Schilderungen der Schmerzen, der Trauer und der Verlustängste mindestens so berührend, wie die vorbehaltslose Verlässlichkeit der Freunde untereinander. Hanser 2017

Die folgenden Buchtipps gibt es bereits als Taschenbuch:

Winklers Traum vom Wasser Anthony Doerr

David Winkler ist ein stiller Junge und wächst in Alaska auf. Er interessiert sich früh für die Entstehung von Schnee und die faszinierende Form von Eiskristallen. Was ihn beunruhigt, ist, dass er manchmal Ereignisse vorhersehen kann. So träumt er von einem Autounfall, der dann auch vor seinen Augen passiert. Er träumt von einer Frau, die er tatsächlich trifft und heiraten wird. Als in einem Traum seine neugeborene Tochter in große Gefahr gerät, versucht er das Schicksal aufzuhalten und gerät dabei in Konflikt mit seiner Familie. Ob er die Dinge zum Guten wenden kann? C.H.Beck 2016

Nora Webster Colm Toibin

Nora ist Mitte vierzig, hat vier Kinder und ist vor kurzem Witwe geworden. Nach und nach arbeitet sie sich aus dem Zustand der Trauer heraus und zugleich aus der Enge der irischen Provinz in den 1960er Jahren, „wo jeder über sie Bescheid wusste und die Jahre, die noch vor ihr lagen bis ins kleinste Detail vorgezeichnet waren“. Mit stillem Eigensinn kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben und ergreift mit Entschiedenheit die Chancen, die ihr das Leben bietet. Es ist keine großartige Emanzipationsgeschichte; dennoch hat Colm Toibin mit seinem aufmerksamen Blick für die kleinen Dinge des Alltags ein faszinierendes Frauenporträt geschaffen, das man nicht so schnell vergisst. Hanser 2016

Der Junge bekommt das Gute zuletzt Dirk Stermann

Claude ist 13, wohnt in Wien und ist schon ganz allein. Seine Eltern interessieren sich nur für sich selbst und ihre Affären, ziehen schließlich beide aus der gemeinsamen Wohnung aus und lassen Claude allein zurück. Jetzt hat er nur noch den serbischen Taxifahrer Dirko, der ihn täglich zum Elite-Gymnasium fährt. Der kann die irrsten Geschichten erzählen und hat eine Hütte an der Donau, die für Claude zum Zufluchtsort wird. Bald teilt auch ein Mädchen seine Einsamkeit und sein Leben scheint sich zum Besseren zu wenden. Als sie schwanger wird, eröffnet sich die Aussicht auf eine neue Familie.
Aber wird das gut gehen? Der Humorist Dirk Stermann hat den „traurigsten Roman der Welt“ geschrieben, so steht es im Klappentext. Das wäre kaum auszuhalten, wenn er nicht mit großer Leichtigkeit und viel Sinn für Komik erzählt würde. Rowohlt 2016

Etwas bleibt immer Edgar Rai

Nino hat ein Geheimnis, das er sorgsam hütet: er besteht aus zwei Personen, hat eine dissoziative Persönlichkeitsstörung. Hin und wieder übernimmt sein zweites Ich namens Lola das Regiment und bringt sein Leben auf schockierende Weise durcheinander. Als Verwalter einer Luxusvilla an der Cote d’Azur kann er zurückgezogen und unauffällig leben, da die Villenbesitzer, der Großindustrielle Breuer mit seiner Frau, nur wenig Zeit dort verbringen. Eines Tages kommen sie zusammen mit einem Geschäftspartner, ein ausgesprochen widerwärtiger Typ. Ein Millionenauftrag soll verhandelt werden. Nino muss derweil für’s leibliche Wohl sorgen und ist häufig in ihrer Nähe. Als die Stimmung immer angespannter wird, tritt plötzlich Lola in Erscheinung, und es kommt zu einem spektakulären Showdown.
Die unwirkliche Welt der Superreichen trifft in diesem Roman auf die doppelte Wirklichkeit eines Gestörten. Das ist raffiniert ausgedacht und spannend erzählt. Berlin 2016

Die Ehefrau Meg Wolitzer

Joe und Joan sitzen im Flugzeug nach Helsinki, wo der berühmte Schriftsteller einen hochdotierten Literaturpreis entgegennehmen soll. Die Reise ist zugleich eine Reise ans Ende ihrer Ehe, denn Joan beschließt während des Fluges: „Es reicht“. Dieses Ende kommt allerdings überraschend anders als gedacht. Bis es so weit ist, lässt Joan mit scharfem Blick und bissigem Humor ihre 40-jährige Ehe Revue passieren. Männliche Egozentrik ist das Thema genauso wie die Bereitschaft der Frauen, jederzeit eigene Lebenspläne zurück zu stellen.
Meg Wolitzer erzählt amüsant, mit viel Ironie und ohne jede Wehleidigkeit, ein Lesevergnügen nicht nur für FeministInnen. DuMont 2016

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