Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
Wenn Sie auf den Geschmack kommen, bestellen Sie gleich hier.

Ein Gentleman in Moskau Amor Towles

Graf Alexander Rostow ist 30 Jahre alt als er 1922 zu lebenslangem Hausarrest im Moskauer Luxushotel Metropol verurteilt wird. Bisher hat er dort eine Suite bewohnt, jetzt ist es eine Dienstbotenkammer. Als Gentleman alter Schule macht Alexander das Beste aus seiner Situation: mit vollendeten Manieren und liebenswürdigem Charme begegnet er jedem im Haus und nimmt schließlich die Stelle eines Kellners an. Sein Leben ändert sich dramatisch, als ihm eines Tages eine alte Freundin ihre kleine Tochter Nina anvertraut. Was als kurzfristige Notlösung gedacht war, wird zum Dauerzustand: das Mädchen wächst im Hotel auf und Alexander übernimmt die Verantwortung für sie. Welche Zukunft wird es für die beiden geben? Und wird Alexander das Hotel jemals wieder verlassen können?
Kaum vorstellbar, dass ein Roman, der ausschließlich im Mikrokosmos eines Hotels spielt, derart fesselnd ist, zudem humorvoll und mit viel Esprit erzählt. Zugleich ist es eine Zeitreise durch die Geschichte Moskaus, von der Zarenzeit bis zum Beginn des Kalten Krieges. Ein rundum gelungenes Buch. List 2017

Stellt euch vor, ich bin fort Adam Haslett

Die Ehe von John und Margaret steht von Anfang an unter einer schweren Belastung: John leidet phasenweise unter schweren Depressionen. Sie bekommen drei Kinder, jahrelang gelingt ihnen ein einigermaßen normales Familienleben. Doch eines Tages, die Kinder sind schon fast erwachsen, ist das „Ungeheuer“ wieder da. John verzweifelt und nimmt sich das Leben. Der Roman erzählt nun den weiteren Lebensweg von Margaret und ihren drei Kindern aus wechselnder Perspektive. Celia wird Sozialarbeiterin und scheut sich, selbst eine Familie zu gründen, Alec, der Journalist, braucht lange um einen Lebenspartner zu finden. Beide kümmern sich um Ihren älteren Bruder Michael, der offenbar die Veranlagung seines Vaters geerbt hat und unter schweren Angst- störungen leidet.
Ist die Familie eher Verhängnis oder ein Ort, der Hilfe und Halt verspricht? Darüber hat Haslett einen großen und erschütternden Familienroman geschrieben, der für mehrere Preise nominiert wurde. Rowohlt 2018

Heimkehren Yaa Gyasi

Die Schwestern Effia und Esi werden in Ghana im 18. Jahrhundert geboren. Die eine wird als Sklavin nach Amerika verkauft, die andere heiratet einen britischen Offizier, der die Verschiffung der Sklaven organisiert. Der Roman erzählt die Geschichte der Kinder und Kindeskinder dieser beiden Frauen. Jeweils kapitelweise wechselnd zwischen Amerika und Ghana wird bildmächtig und mit großer erzählerischer Kraft das facettenreiche System der Sklaverei beschrieben, an dem auch afrikanische Stammeshäuptlinge beteiligt waren, ein Aspekt, der wenig bekannt ist. Die vorerst letzten Nachkömmlinge der beiden Familien, Marjorie und Marcus leben im heutigen Amerika und lernen sich zufällig kennen. So schließt sich der Kreis.
Yaa Gyasi, die schon als Kind aus Ghana in die USA gekommen ist, hat sieben Jahre intensiv für diesen Roman recherchiert – unbedingt lesenswert! DuMont 2017

Der große Wahn Sebastian Faulks

Der Londoner Psychiater Robert Hendricks erhält eines Tages eine rätselhafte Einladung des 90-jährigen Neurologen Pereira, der auf einer kleinen Insel vor der französischen Küste lebt. Wie sich herausstellt, hat dieser Hendricks Vater gekannt, der im 1. Weltkrieg auf unklare Weise umgekommen ist. So wird die Reise zu einer Reise in die Vergangenheit, und Hendrick, der bisher sein Leben eher emotionsarm gelebt hat, wird mit intensiven Erinnerungen konfrontiert: an die vaterlose Kindheit, an seine eigenen Erlebnisse im Krieg und an die Italienierin „L“, seine große Liebe, die ihn damals so plötzlich verlassen hatte. Er erkundigt sich nach ihrem Aufenthaltsort und plant ein Wiedersehen. Wie wird das werden?
„Der große Wahn“ ist die meisterhaft erzählte Lebensgeschichte eines einsamen Mannes, verwoben mit einer eindringlichen Schilderung des Kriegsgeschehens im 20. Jahrhundert. Mare 2017

Ein feines Gespür für Schönheit J. David Simons

Edward, ein berühmter englischer Schriftsteller kehrt als alter Mann in jenes herrlich gelegene japanische Hotel zurück, in dem er 1950 seinen ersten Bestseller schrieb. Es war ein amerika- kritischer Roman über den Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, der für Furore sorgte. Im Hotel hatte er eine Liebesbeziehung zu dem Zimmermädchen Sumiko, die mit seiner Rückkehr nach England ihr Ende fand. In England nahm er dann das konfliktbeladene Verhältnis zu seiner früheren Freundin Macy, einer begabten Künstlerin, wieder auf.
Jetzt im Jahr 2003 macht er die Erfahrung: nichts von all dem ist wirklich vergangen. Er trifft Sumiko wieder und bekommt auch nochmals mit Macy zu tun, von der er längst getrennt ist. Vor allem aber wird er mit seinem eigenen Versagen konfrontiert.
Ein spannend und poetisch geschriebener Roman, dem man die Liebe des Autors zur japanischen Kultur abspürt. Europaverlag 2017

Acht Berge Paolo Cognetti

Mit elf Jahren kommt Pietro zum ersten Mal für die Ferien in das fast verlassene Bergdorf Grana im Aostatal. Rasch freundet er sich mit Bruno an, dem einzigen Kind im Dorf. Sommer für Sommer treffen sie sich wieder, streifen durch die Gegend und besteigen Berge. Später trennen sich ihre Wege: Bruno baut die Käserei seines Onkels wieder auf und gründet eine Familie, während Pietro als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus zieht und ungebunden bleibt. Fast verlieren sie sich aus den Augen, da erbt Pietro von seinem verstorbenen Vater ein Grundstück bei Grana. Er kehrt für einen Sommer in die Berge zurück und baut mit Bruno die verfallene Almhütte auf dem Grundstück wieder auf. Ohne viel Worte wird die alte Freundschaft bekräftigt; beide ringen mit der Frage, ob der eingeschlagene Lebensweg der Richtige ist. „Acht Berge“ ist ein eindringliches und existentielles Buch über eine Männerfreundschaft und über die stille Kraft der Natur und der Berge. DVA 2017

Das Ministerium des äußersten Glücks Arundhati Roy

Zwanzig Jahre nach „Der Gott der kleinen Dinge“ hat Arundhati Roy ihren zweiten Roman vorgelegt. Ihr intensives politisches Engagement der letzten Jahre ist in dieses Buch eingeflossen, aber auch ihre literarische Kraft. Es ist eine mutige, schonungslose Bestandsaufnahme des modernen Indien, eine Geschichte, “von unten“ erzählt. Gegen politische Unterdrückung und Gewalt, gegen die korrupten Machtinteressen von Industrie und Politik und einzelner Kasten, gegen all die religiösen Kämpfe steht die Solidarität einer kleinen ausgegrenzten Gemeinschaft, die auf einem Friedhof in Delhi haust. Arundhati Roy schont den Leser nicht, ihr literarischer Stil rüttelt auf und bewahrt zugleich vor Hoffnungslosigkeit. Fischer 2017

Max Markus Orths

Markus Orths erzählt die Lebensgeschichte des Künstlers Max Ernst. Ein Leben geprägt vom unaufhaltsamen Drang Kunst zu machen. Wie war das trotz der schwierigen politischen Umstände zwischen den zwei Weltkriegen und im Exil möglich und welchen Einfluss hatten berühmte Freunde wie Pablo Picasso, André Breton, Peggy Guggenheim und andere auf den Künstler? Der Leser taucht wie in einem Film ein in das künstlerische Lebensgefühl dieser Zeit, geprägt von Leidenschaft, Liebe, Trennung und künstlerischer Schaffenskraft. Die vier wichtigsten Frauen im Leben von Max Ernst nehmen einen breiten Raum im Roman ein, denn sie ermöglichten ihm erst durch ihre emotionale oder auch finanzielle Unterstützung, für seine Kunst leben zu können. Hanser 2017

Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky

Immer, wenn der alten Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Selma ist die Großmutter der Ich-Erzählerin Luise und bei ihr verbringt sie die meiste Zeit, denn ihre Eltern sind hauptsächlich mit ihrer unglücklichen Ehe beschäftigt.Sie ist eine Art Dorfälteste und Anlaufstelle für alle, die einen guten Rat brauchen: Luises Freund Martin, der einen gewalttätigen Vater hat, die abergläubische Heilerin Elsbeth, die depressive Marlies und der Optiker, der schon seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist. Guter Rat ist auch nötig, als Luise unversehens von der Liebe getroffen wird. Ausgerechnet ein buddhistischer Mönch muss es sein. Der lebt in Japan und fühlt sich an sein Gelübde gebunden, doch ein anderer kommt nicht in Frage. Was tun?
Mariana Leky beschreibt ihre schrulligen Figuren liebevoll, mit hinreißendem Humor und tiefer Menschlichkeit - eine herrliche Lektüre! DuMont 2017

Und Marx stand still in Darwins Garten Ilona Jerger

England 1881. Zwei Berühmtheiten leben nur wenige Kilometer auseinander und sind sich doch nie begegnet: Karl Marx arbeitet in London in ärmlichsten Verhältnissen am ersten Band des „Kapital“, Charles Darwin lebt in einem Pfarrhaus in Kent und forscht am Regenwurm. Beide haben mit ihren Büchern, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Jetzt sind sie alt; sie leiden an Schlaflosigkeit, Melancholie und diversen anderen Beschwerden. Ilona Jerger bringt die beiden durch einen (erfundenen) Hausarzt miteinander in Kontakt; schließlich kommt es sogar zu einem gemeinsamen Dinner mit hitzigen Diskussionen.
Es ist ein wunderbarer Roman, der Fabulierlust mit naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet, ein humorvolles Porträt zweier bedeutender Männer, deren Disput nach wie vor aktuell ist. Ullstein 2017

Und es schmilzt Lize Spit

Achtung! Dieses Buch könnte Ihnen den Schlaf rauben! Dreizehn Jahre nach dem Sommer, den sie am liebsten vergessen würde, kehrt Eva zurück in das Dorf, in dem sie zusammen mit ihrem Bruder und der kleinen Schwester aufgewachsen ist. Sie folgt einer Einladung von Pim, der damals zu ihren Freunden gehörte. Ihre gesamte Freizeit hat sie mit ihm und Laurens verbracht bis in jenem Sommer ein böses Spiel furchtbar eskalierte und die Kindheit aller Beteiligten beendete. In langen Rückblenden erfährt man die Familiengeschichte Evas, lernt das Dorf und seine Bewohner kennen, in dem das Leben nicht gerade idyllisch ist und treibt beim Lesen unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Lize Spits Roman ist großartig erzählt, erschütternd und fast unerträglich spannend. Fischer 2017

Ein Festtag Graham Swift

Jane Fairchild ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und dann Dienstmädchen bei einem reichen Ehepaar geworden. Schon mit fünfzehn hat sie ein heimliches Verhältnis mit Paul Sheringham, dem jungen Erben der ebenfalls wohlhabenden Nachbarn begonnen. Jetzt, sieben Jahre später, wird er, von den Eltern gedrängt, demnächst standesgemäß heiraten. Doch er mag sich nicht von Jane trennen. An einem Sonntag, als das Haus leer ist, läd er sie zum ersten Mal zu sich nach Hause ein, zum ersten und letzten Mal teilt sie sein Bett: es wird ihr ganz persönlicher Festtag. Später verabschiedet er sich um seine Braut zu treffen – aber dort kommt er nie an….
Das schmale Buch, das eher eine Novelle als ein Roman ist, beschreibt meisterhaft und voller Sinnlichkeit einen einzigen Tag im März 1924 und umfasst zugleich ein ganzes Leben. dtv 2017

Ellbogen Fatma Aydemir

Die siebzehnjährige Türkin Hazal lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Wohnung im Berliner Wedding. Der Vater ist Taxifahrer und schlägt auch gerne mal zu, die Mutter sitzt untätig zu Hause und guckt türkische Fernsehserien, der Bruder entwickelt sich zum Kleinkriminellen, während für Hazal alles verboten ist, was Spaß macht. Sie jobbt in der Bäckerei ihres Onkels, alle anderen Bewerbungen waren bisher erfolglos. Als „Opfer“ fühlt sie sich trotzdem nicht; sie hat vielmehr eine Riesenwut im Bauch, „eine Wut auf die Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch.“ Das macht sie stark – und gefährlich. An ihrem 18. Geburtstag gerät sie in eine verhängnisvolle Situation, wird gewalttätig und schließlich zur Mörderin. Keinesfalls hat sie vor, sich der Polizei zu stellen. Sie flüchtet nach Istanbul zu einem Bekannten, den sie nur vom Skypen kennt und muss feststellen, dass sie sich in der Türkei noch überflüssiger fühlt als in Deutschland. Wie wird es mit ihr weitergehen? Kann es einen Neuanfang geben ohne dass sie sich ihrer Verantwortung stellt und Empathie lernt? Fatma Aydemir hat ihr Buch im Ich-Stil geschrieben, was einen direkten Einblick in die ver- störende Empfindungswelt dieser jungen Frau ermöglicht. Es bietet keine Lösungen an, öffnet aber die Augen für Menschen in Milieus, über die wir viel zu wenig wissen und erst recht nicht kennen. Hanser 2017

Betrunkene Bäume Ada Dorian

Betrunkene Bäume gibt es wirklich. Ein Begriff aus der Biologie, der Bäume bezeichnet, die im auftauenden Permafrostboden ihre Standfestigkeit verlieren. Auch Erich und Katharina haben keinen Halt mehr. Erich ist über achtzig und merkt, dass ihm seine Altersbeschwerden immer mehr die Kontrolle über seinen Alltag entziehen. Erich trauert seiner Zeit als Naturforscher in Sibirien und der verlorenen Liebe seines Lebens nach. In der Wohnung nebenan wohnt Katharina. Sie ist von zu Hause abgehauen und hat im Wohnzimmer ein Zelt aufgeschlagen, nachdem ihr Vater nach Sibirien auf Montage gefahren ist und sich ihre Mutter nicht um sie kümmert. Erich und Katharina nähern sich langsam einander an und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. In der poetischen Schreibweise der Autorin wundert es den Leser nicht, dass Bäume sogar in Schlafzimmern wachsen können. Ullstein 2017

Gott, hilf dem Kind Toni Morrison

Lula Ann kommt mit einer tiefschwarzen Hautfarbe auf die Welt, wie keiner aus ihrer Familie. Ihre eigene Mutter ist entsetzt und ihr Vater verlässt sofort die Familie, da er glaubt, dass das Kind nicht von ihm sein kann. Ihr ganzes Leben von der Mutter abgelehnt, erzieht diese ihre Tochter zu größtmöglicher Unauffälligkeit. Sie hat Angst vor rassistischen Übergriffen und schärft ihr ein, niemals aufzufallen. Doch Lula Ann macht sich davon frei, ändert als Erwachsene ihren Namen in "Bride" und trägt provokant nur noch strahlend weiße Kleidung, die ihre Hautfarbe erst recht betont. Sie gründet eine erfolgreiche Kosmetikfirma, kann sich aber nur schwer von ihrer Vergangenheit befreien. Die Geschichte einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, die deutlich macht, dass es kaum möglich ist, seine prägende Kindheitserfahrungen hinter sich zu lassen und wie die Angst vor Diskriminierung sich durch verinnerlichten Selbsthass gegen die eigene Person richten kann. Rowohlt 2017

Impressum | Datenschutz