Selberlesen oder Verschenken - dazu einige Tipps von uns.
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Acht Berge Paolo Cognetti

Mit elf Jahren kommt Pietro zum ersten Mal für die Ferien in das fast verlassene Bergdorf Grana im Aostatal. Rasch freundet er sich mit Bruno an, dem einzigen Kind im Dorf. Sommer für Sommer treffen sie sich wieder, streifen durch die Gegend und besteigen Berge. Später trennen sich ihre Wege: Bruno baut die Käserei seines Onkels wieder auf und gründet eine Familie, während Pietro als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus zieht und ungebunden bleibt. Fast verlieren sie sich aus den Augen, da erbt Pietro von seinem verstorbenen Vater ein Grundstück bei Grana. Er kehrt für einen Sommer in die Berge zurück und baut mit Bruno die verfallene Almhütte auf dem Grundstück wieder auf. Ohne viel Worte wird die alte Freundschaft bekräftigt; beide ringen mit der Frage, ob der eingeschlagene Lebensweg der Richtige ist. „Acht Berge“ ist ein eindringliches und existentielles Buch über eine Männerfreundschaft und über die stille Kraft der Natur und der Berge. DVA 2017

Das Ministerium des äußersten Glücks Arundhati Roy

Zwanzig Jahre nach „Der Gott der kleinen Dinge“ hat Arundhati Roy ihren zweiten Roman vorgelegt. Ihr intensives politisches Engagement der letzten Jahre ist in dieses Buch eingeflossen, aber auch ihre literarische Kraft. Es ist eine mutige, schonungslose Bestandsaufnahme des modernen Indien, eine Geschichte, “von unten“ erzählt. Gegen politische Unterdrückung und Gewalt, gegen die korrupten Machtinteressen von Industrie und Politik und einzelner Kasten, gegen all die religiösen Kämpfe steht die Solidarität einer kleinen ausgegrenzten Gemeinschaft, die auf einem Friedhof in Delhi haust. Arundhati Roy schont den Leser nicht, ihr literarischer Stil rüttelt auf und bewahrt zugleich vor Hoffnungslosigkeit. Fischer 2017

Max Markus Orths

Markus Orths erzählt die Lebensgeschichte des Künstlers Max Ernst. Ein Leben geprägt vom unaufhaltsamen Drang Kunst zu machen. Wie war das trotz der schwierigen politischen Umstände zwischen den zwei Weltkriegen und im Exil möglich und welchen Einfluss hatten berühmte Freunde wie Pablo Picasso, André Breton, Peggy Guggenheim und andere auf den Künstler? Der Leser taucht wie in einem Film ein in das künstlerische Lebensgefühl dieser Zeit, geprägt von Leidenschaft, Liebe, Trennung und künstlerischer Schaffenskraft. Die vier wichtigsten Frauen im Leben von Max Ernst nehmen einen breiten Raum im Roman ein, denn sie ermöglichten ihm erst durch ihre emotionale oder auch finanzielle Unterstützung, für seine Kunst leben zu können. Hanser Verlag 2017

Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky

Immer, wenn der alten Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Selma ist die Großmutter der Ich-Erzählerin Luise und bei ihr verbringt sie die meiste Zeit, denn ihre Eltern sind hauptsächlich mit ihrer unglücklichen Ehe beschäftigt.Sie ist eine Art Dorfälteste und Anlaufstelle für alle, die einen guten Rat brauchen: Luises Freund Martin, der einen gewalttätigen Vater hat, die abergläubische Heilerin Elsbeth, die depressive Marlies und der Optiker, der schon seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist. Guter Rat ist auch nötig, als Luise unversehens von der Liebe getroffen wird. Ausgerechnet ein buddhistischer Mönch muss es sein. Der lebt in Japan und fühlt sich an sein Gelübde gebunden, doch ein anderer kommt nicht in Frage. Was tun?
Mariana Leky beschreibt ihre schrulligen Figuren liebevoll, mit hinreißendem Humor und tiefer Menschlichkeit - eine herrliche Lektüre! DuMont 2017

Und Marx stand still in Darwins Garten Ilona Jerger

England 1881. Zwei Berühmtheiten leben nur wenige Kilometer auseinander und sind sich doch nie begegnet: Karl Marx arbeitet in London in ärmlichsten Verhältnissen am ersten Band des „Kapital“, Charles Darwin lebt in einem Pfarrhaus in Kent und forscht am Regenwurm. Beide haben mit ihren Büchern, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Jetzt sind sie alt; sie leiden an Schlaflosigkeit, Melancholie und diversen anderen Beschwerden. Ilona Jerger bringt die beiden durch einen (erfundenen) Hausarzt miteinander in Kontakt; schließlich kommt es sogar zu einem gemeinsamen Dinner mit hitzigen Diskussionen.
Es ist ein wunderbarer Roman, der Fabulierlust mit naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet, ein humorvolles Porträt zweier bedeutender Männer, deren Disput nach wie vor aktuell ist. Ullstein 2017

Und es schmilzt Lize Spit

Achtung! Dieses Buch könnte Ihnen den Schlaf rauben! Dreizehn Jahre nach dem Sommer, den sie am liebsten vergessen würde, kehrt Eva zurück in das Dorf, in dem sie zusammen mit ihrem Bruder und der kleinen Schwester aufgewachsen ist. Sie folgt einer Einladung von Pim, der damals zu ihren Freunden gehörte. Ihre gesamte Freizeit hat sie mit ihm und Laurens verbracht bis in jenem Sommer ein böses Spiel furchtbar eskalierte und die Kindheit aller Beteiligten beendete. In langen Rückblenden erfährt man die Familiengeschichte Evas, lernt das Dorf und seine Bewohner kennen, in dem das Leben nicht gerade idyllisch ist und treibt beim Lesen unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Lize Spits Roman ist großartig erzählt, erschütternd und fast unerträglich spannend. Fischer 2017

Ein Festtag Graham Swift

Jane Fairchild ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und dann Dienstmädchen bei einem reichen Ehepaar geworden. Schon mit fünfzehn hat sie ein heimliches Verhältnis mit Paul Sheringham, dem jungen Erben der ebenfalls wohlhabenden Nachbarn begonnen. Jetzt, sieben Jahre später, wird er, von den Eltern gedrängt, demnächst standesgemäß heiraten. Doch er mag sich nicht von Jane trennen. An einem Sonntag, als das Haus leer ist, läd er sie zum ersten Mal zu sich nach Hause ein, zum ersten und letzten Mal teilt sie sein Bett: es wird ihr ganz persönlicher Festtag. Später verabschiedet er sich um seine Braut zu treffen – aber dort kommt er nie an….
Das schmale Buch, das eher eine Novelle als ein Roman ist, beschreibt meisterhaft und voller Sinnlichkeit einen einzigen Tag im März 1924 und umfasst zugleich ein ganzes Leben. dtv 2017

Ellbogen Fatma Aydemir

Die siebzehnjährige Türkin Hazal lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Wohnung im Berliner Wedding. Der Vater ist Taxifahrer und schlägt auch gerne mal zu, die Mutter sitzt untätig zu Hause und guckt türkische Fernsehserien, der Bruder entwickelt sich zum Kleinkriminellen, während für Hazal alles verboten ist, was Spaß macht. Sie jobbt in der Bäckerei ihres Onkels, alle anderen Bewerbungen waren bisher erfolglos. Als „Opfer“ fühlt sie sich trotzdem nicht; sie hat vielmehr eine Riesenwut im Bauch, „eine Wut auf die Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch.“ Das macht sie stark – und gefährlich. An ihrem 18. Geburtstag gerät sie in eine verhängnisvolle Situation, wird gewalttätig und schließlich zur Mörderin. Keinesfalls hat sie vor, sich der Polizei zu stellen. Sie flüchtet nach Istanbul zu einem Bekannten, den sie nur vom Skypen kennt und muss feststellen, dass sie sich in der Türkei noch überflüssiger fühlt als in Deutschland. Wie wird es mit ihr weitergehen? Kann es einen Neuanfang geben ohne dass sie sich ihrer Verantwortung stellt und Empathie lernt? Fatma Aydemir hat ihr Buch im Ich-Stil geschrieben, was einen direkten Einblick in die ver- störende Empfindungswelt dieser jungen Frau ermöglicht. Es bietet keine Lösungen an, öffnet aber die Augen für Menschen in Milieus, über die wir viel zu wenig wissen und erst recht nicht kennen. Hanser Verlag 2017

Betrunkene Bäume Ada Dorian

Betrunkene Bäume gibt es wirklich. Ein Begriff aus der Biologie, der Bäume bezeichnet, die im auftauenden Permafrostboden ihre Standfestigkeit verlieren. Auch Erich und Katharina haben keinen Halt mehr. Erich ist über achtzig und merkt, dass ihm seine Altersbeschwerden immer mehr die Kontrolle über seinen Alltag entziehen. Erich trauert seiner Zeit als Naturforscher in Sibirien und der verlorenen Liebe seines Lebens nach. In der Wohnung nebenan wohnt Katharina. Sie ist von zu Hause abgehauen und hat im Wohnzimmer ein Zelt aufgeschlagen, nachdem ihr Vater nach Sibirien auf Montage gefahren ist und sich ihre Mutter nicht um sie kümmert. Erich und Katharina nähern sich langsam einander an und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. In der poetischen Schreibweise der Autorin wundert es den Leser nicht, dass Bäume sogar in Schlafzimmern wachsen können. Ullstein Verlag 2017

Gott, hilf dem Kind Toni Morrison

Lula Ann kommt mit einer tiefschwarzen Hautfarbe auf die Welt, wie keiner aus ihrer Familie. Ihre eigene Mutter ist entsetzt und ihr Vater verlässt sofort die Familie, da er glaubt, dass das Kind nicht von ihm sein kann. Ihr ganzes Leben von der Mutter abgelehnt, erzieht diese ihre Tochter zu größtmöglicher Unauffälligkeit. Sie hat Angst vor rassistischen Übergriffen und schärft ihr ein, niemals aufzufallen. Doch Lula Ann macht sich davon frei, ändert als Erwachsene ihren Namen in "Bride" und trägt provokant nur noch strahlend weiße Kleidung, die ihre Hautfarbe erst recht betont. Sie gründet eine erfolgreiche Kosmetikfirma, kann sich aber nur schwer von ihrer Vergangenheit befreien. Die Geschichte einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, die deutlich macht, dass es kaum möglich ist, seine prägende Kindheitserfahrungen hinter sich zu lassen und wie die Angst vor Diskriminierung sich durch verinnerlichten Selbsthass gegen die eigene Person richten kann. Rowohlt Verlag 2017

Der Club Takis Würger

Hans Stichler bekommt von seiner Tante, einer Kunsthistorikerin, ein Stipendium für ein Studium in Cambridge, gekoppelt an einen Auftrag: er soll Mitglied des elitären, männerbündlerischen Pitt-Clubs werden um dort ein Verbrechen aufzuklären, über das die Tante allerdings keine näheren Angaben macht. Er schafft es, Schritt für Schritt, in den innersten Zirkel des Clubs mit seinen geheimen Riten vorzudringen und ahnt bald, dass das ominöse Verbrechen mit Sex und Macht zu tun hat. Behilflich ist ihm Charlotte, eine Doktorandin, in die er sich verliebt hat, aber auch sie scheint ein Geheimnis zu haben. Welche Verbindung hat sie selbst zum Club? Und welche Rolle spielt ihr Vater, ein reicher Banker, der Teil eines Netzwerkes ehemaliger Club-Mitglieder ist? Krimi und Liebesroman in einem – dieses geschmeidig erzählte schlanke Buch hat Sogwirkung und bleibt spannend bis zum Schluss. Es stellt die Frage nach der Bedeutung sozialer Teilhabe; wozu sind Menschen bereit, nur um dazu zugehören? Kein & Aber Verlag 2017

Ein Mann, der fällt Ulrike Edschmid

Das gemeinsame Leben eines älteren Paars beginnt 1986 mit einer Katastrophe: Beim Renovieren der zukünftigen Wohnung in einem Berliner Mietshaus, stürzt der Mann von der Leiter und ist fortan schwerbehindert. Er verschmäht den Rollstuhl und schleppt sich mühsam mit zwei Krücken vorwärts. Der autobiografische Roman erzählt aus der Perspektive der Frau, wie das Paarsein von den beiden neu gelernt werden muss, wie sie vorsichtig ausloten, was gemeinsam geht und was nicht. „Nie mehr, sagt er, wird er an einem warmen Sommerabend unter einem Himmel wie diesem mit mir gehen können, gehen und immer weiter gehen. Wir sind voneinander abgerückt. Ich lebe in der Welt der Gehenden, unendlich weit entfernt.“ Doch während sie nun mit eingeschränktem Bewegungsradius leben, machen sie zugleich die überraschende Erfahrung, das die Welt zunehmend zu ihnen kommt: Im Hinterhof campiert für einige Zeit eine Roma-Familie, eine Wohnung wird von iranischen Widerstandskämpferinnen für ihre Agitationsarbeit benutzt, im vierten Stock trifft sich eine koreanische Glaubensgemeinde, im Viertel ist die Russenmaffia zu Gange. Präzise und einfühlsam beschreibt Ulrike Edschmid die Veränderungen in Mietshaus und Kiez im Zeichen der Globalisierung und zugleich das beharrliche Zusammenstehen eines Paares unter schwierigen Bedingungen. Diesem Buch wünscht man die Nominierung zum Deutschen Buchpreis. Suhrkamp Verlag 2017

Ein wenig Leben Hanya Yanagihara

Die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern, die einen trotz der fast tausend Seiten nicht losläßt und auch nach der Lektüre noch lange beschäftigt. Jude, JB, Willem und Malcom lernen sich auf dem College kennen und kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen. Diese haben ihr Leben bestimmt, wobei die Kindheit von Jude geprägt war von Gewalt und Einsamkeit. Seiner Geschichte wird im Roman der größte Raum gegeben und sie ist an Grausamkeit kaum mehr zu übertreffen. Der Leser, der von einem tragischen Ereignis zum nächsten geschleudert wird, kann sich der Dramatik nicht entziehen. Aus wechselnder Sicht der vier Personen beschrieben, kommt man sich nicht als außenstehender Betrachter vor, sondern fühlt mit den Protagonisten. Dabei sind die Schilderungen der Schmerzen, der Trauer und der Verlustängste mindestens so berührend, wie die vorbehaltslose Verlässlichkeit der Freunde untereinander. Erschienen 2017 im Hanser Verlag

Winklers Traum vom Wasser Anthony Doerr

David Winkler ist ein stiller Junge und wächst in Alaska auf. Er interessiert sich früh für die Entstehung von Schnee und die faszinierende Form von Eiskristallen. Was ihn beunruhigt, ist, dass er manchmal Ereignisse vorhersehen kann. So träumt er von einem Autounfall, der dann auch vor seinen Augen passiert. Er träumt von einer Frau, die er tatsächlich trifft und heiraten wird. Als in einem Traum seine neugeborene Tochter in große Gefahr gerät, versucht er das Schicksal aufzuhalten und gerät dabei in Konflikt mit seiner Familie. Ob er die Dinge zum Guten wenden kann? Erschienen 2016 im C.H.Beck Verlag

Nora Webster Colm Toibin

Nora ist Mitte vierzig, hat vier Kinder und ist vor kurzem Witwe geworden. Nach und nach arbeitet sie sich aus dem Zustand der Trauer heraus und zugleich aus der Enge der irischen Provinz in den 1960er Jahren, „wo jeder über sie Bescheid wusste und die Jahre, die noch vor ihr lagen bis ins kleinste Detail vorgezeichnet waren“. Mit stillem Eigensinn kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben und ergreift mit Entschiedenheit die Chancen, die ihr das Leben bietet. Es ist keine großartige Emanzipationsgeschichte; dennoch hat Colm Toibin mit seinem aufmerksamen Blick für die kleinen Dinge des Alltags ein faszinierendes Frauenporträt geschaffen, das man nicht so schnell vergisst. Erschienen 2016 im Hanser Verlag.

Der Junge bekommt das Gute zuletzt Dirk Stermann

Claude ist 13, wohnt in Wien und ist schon ganz allein. Seine Eltern interessieren sich nur für sich selbst und ihre Affären, ziehen schließlich beide aus der gemeinsamen Wohnung aus und lassen Claude allein zurück. Jetzt hat er nur noch den serbischen Taxifahrer Dirko, der ihn täglich zum Elite-Gymnasium fährt. Der kann die irrsten Geschichten erzählen und hat eine Hütte an der Donau, die für Claude zum Zufluchtsort wird. Bald teilt auch ein Mädchen seine Einsamkeit und sein Leben scheint sich zum Besseren zu wenden. Als sie schwanger wird, eröffnet sich die Aussicht auf eine neue Familie.
Aber wird das gut gehen? Der Humorist Dirk Stermann hat den „traurigsten Roman der Welt“ geschrieben, so steht es im Klappentext. Das wäre kaum auszuhalten, wenn er nicht mit großer Leichtigkeit und viel Sinn für Komik erzählt würde. Erschienen 2016 im Rowohlt Verlag.

Etwas bleibt immer Edgar Rai

Nino hat ein Geheimnis, das er sorgsam hütet: er besteht aus zwei Personen, hat eine dissoziative Persönlichkeitsstörung. Hin und wieder übernimmt sein zweites Ich namens Lola das Regiment und bringt sein Leben auf schockierende Weise durcheinander. Als Verwalter einer Luxusvilla an der Cote d’Azur kann er zurückgezogen und unauffällig leben, da die Villenbesitzer, der Großindustrielle Breuer mit seiner Frau, nur wenig Zeit dort verbringen. Eines Tages kommen sie zusammen mit einem Geschäftspartner, ein ausgesprochen widerwärtiger Typ. Ein Millionenauftrag soll verhandelt werden. Nino muss derweil für’s leibliche Wohl sorgen und ist häufig in ihrer Nähe. Als die Stimmung immer angespannter wird, tritt plötzlich Lola in Erscheinung, und es kommt zu einem spektakulären Showdown.
Die unwirkliche Welt der Superreichen trifft in diesem Roman auf die doppelte Wirklichkeit eines Gestörten. Das ist raffiniert ausgedacht und spannend erzählt. Erschienen 2016 im Berlin Verlag.

Die Ehefrau Meg Wolitzer

Joe und Joan sitzen im Flugzeug nach Helsinki, wo der berühmte Schriftsteller einen hochdotierten Literaturpreis entgegennehmen soll. Die Reise ist zugleich eine Reise ans Ende ihrer Ehe, denn Joan beschließt während des Fluges: „Es reicht“. Dieses Ende kommt allerdings überraschend anders als gedacht. Bis es so weit ist, lässt Joan mit scharfem Blick und bissigem Humor ihre 40-jährige Ehe Revue passieren. Männliche Egozentrik ist das Thema genauso wie die Bereitschaft der Frauen, jederzeit eigene Lebenspläne zurück zu stellen.
Meg Wolitzer erzählt amüsant, mit viel Ironie und ohne jede Wehleidigkeit, ein Lesevergnügen nicht nur für FeministInnen. Erschienen 2016 bei DuMont.

Ein Monat auf dem Land I.L. Carr

Der junge Restaurator Tom soll die mittelalterliche Wandbemalung einer Kirche in Nordengland freilegen. Es ist der Sommer 1920; Tom leidet an den Folgen traumatischer Kriegserlebnisse als Soldat: er hat Gesichtszuckungen und stottert bisweilen. Außerdem hat ihn seine Frau verlassen. Während er geduldig Schicht für Schicht des Wandbildes freilegt, lernt er nach und nach die Bewohner des Dorfes näher kennen. Auch bei ihnen findet er verschiedene Schichten: nach außen das tatsächlich gelebte Leben, darunter das mögliche und ersehnte. Als Toms Auftrag beendet ist, hat er sich unmerklich verändert und ist fast geheilt.
I.L. Carr hat diese Geschichte bereits 1980 geschrieben und dafür den Booker-Preis bekommen. Er erzählt behutsam und warmherzig, aber ohne jede Gefühlsduselei. Ein kleines Meisterwerk und ein rundum schönes Buch. Erschienen 2017 im DuMont Verlag.

Die schwedischen Gummistiefel Henning Mankell

Das letzte Buch des im vergangenen Jahr verstorbenen Schriftstellers erzählt von Fredrik Welin, einem älteren Herrn, der allein auf einer abgelegenen Schäreninsel lebt. Sein ruhiges Leben ändert sich mit einem Schlag, als er durch einen Brand nahezu seinen gesamten Besitz verliert. Notdürftig campiert er nun in einem Wohnwagen und grübelt. Wer hat sein Haus angezündet? Lohnt es sich, noch einmal ein neues Leben aufzubauen? Zwei Frauen werden zu wichtigen Bezugspersonen bei dieser unfreiwilligen Neuorientierung: seine in Paris lebende Tochter, zu der er ein wechselhaftes Verhältnis hat und eine Journalistin, in die er sich ohne Hoffnung verliebt.
Henning Mankell hat ein bewegendes Buch über das Altern, die Einsamkeit und den näher rückenden Tod geschrieben. Dennoch klingt der letzte Satz tröstlich: „Bald würde der Herbst kommen. Aber die Dunkelheit schreckte mich nicht mehr“. Erschienen 2016 im Hanser Verlag.

I saw a Man Owen Sheers

Um über den Tod seiner Frau hinweg zu kommen, die als Journalistin bei einem Drohnenangriff ums Leben kam, versucht Michael, ein erfolgreicher Schriftsteller einen Neuanfang in London. Dort freundet er sich schnell mit einer Nachbarsfamilie an. Als Michael eines Tages ihr augenscheinlich leeres Haus durch die Hintertür betritt, passiert „der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte.“ Fortan bestimmen Misstrauen und Lügen das Miteinander bis zum überraschenden Schluss. Ein packender Roman über Verlust, Schuld und die Last von Geheimnissen. Erschienen 2016 in der DVA.

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